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Sentinel
- Friendship -

By Franziska (February 2000)

Unruhig saß Blair Sandburg im Wartezimmer des Cascade Hospital. Seine Hände lagen in seinem Schoß, trotzdem konnte er sie nicht ruhig halten. Er fuhr sich durch die Haare, und ließ seine Hände dann auf dem Kopf ruhen.

"Oh Gott, das kann einfach nicht passiert sein! Es muß ein Traum sein." Er spürte Simons Hand beruhigend auf seiner Schulter liegen. Nein, diesmal war es kein Traum. Er wußte, daß es irgendwann passieren würde, aber er war nicht wirklich auf so einen Fall vorbereitet.

In Gedanken ließ er die letzten paar Stunden noch einmal Revue passieren.

~~~~~

Der Tag hatte ruhig angefangen. Detective James Ellison hatte heute früh nur einen kleinen Taschendieb gefaßt. Danach wartete noch etwas Papierkram auf seinem Schreibtisch und jetzt kam er gerade von der Universität, wo er seinen Partner, Blair Sandburg, abgeholt hatte.

"Was ist, hätten Sie Lust auf italienisches Essen?" Blair knurrte der Magen. Heute Morgen hatte er nur schnell ein Sandwich gegessen, und das Essen in der Mensa war furchtbar gewesen.

"Ja, ich habe auch noch nichts zu Mittag gegessen.", antwortete Jim.

"Wie war Ihr Vormittag?"

"Ruhig. Nur ein kleiner Fall von Diebstahl und Papierkram. Das Übliche."

"Also: langweilig."

Die beiden bogen gerade in die Main Street ein, als ein Funkspruch ankam.

"An alle Einheiten! Ein flüchtiger Einbrecher befindet sich an der Ecke Main / 58. West, es handelt sich um einen gewissen Malcolm Fraser. Äußerste Vorsicht ist geboten. Er ist bewaffnet."

"Hier ist Detective Jim Ellison. Wir fahren gerade auf der Main Street in Richtung Norden. Nehmen die Verfolgung auf. Ende."

Ohne Vorwarnung wendete Ellison mit einer 180 Grad – Drehung mitten auf der Straße. Blair dachte lieber nicht darüber nach, was eben alles hätte passieren können.

"Alles okay, Häuptling?" Jim warf einen kurzen Seitenblick auf Blair, bevor er sich wieder auf die Straße konzentrierte.

"Ja, alles in Ordnung."

Fünf Minuten später endete die Verfolgungsjagd in einer Sackgasse. Die 58. Straße West war zu beiden Seiten von Polizeiwagen abgeriegelt. Fraser hatte seinen Wagen inzwischen gewendet, und fuhr nun auf Jims Auto zu. Er erkannte offenbar, daß es auch auf dieser Seite der Straße kein Entrinnen gab, und brachte seinen Wagen zum Stehen. Mit gezogener Waffe kamen Jim und noch ein paar andere Cops auf den roten Pickup zu.
"Raus da!", schrie Ellison. Er stand direkt vor dem Fenster und hielt seine Waffe genau auf den Kopf von Malcolm Fraser gerichtet. Gehorsam – vielleicht etwas zu gehorsam – stieg dieser mit erhobenen Händen aus dem Auto. Fraser wurden gerade Handschellen angelegt, als Jim ein Geräusch aus einem der Häuserfenster hörte. Es klang, als würde einer ein Gewehr entsichern. Mit den Augen folgte er dem Geräusch und entdeckte im dritten Stockwerk den Schützen. Er mußte sich wohl auf der Ladefläche des Pickups versteckt gehalten haben. Der Lauf des Gewehres war direkt gerichtet auf... Mein Gott, Blair! So schnell er konnte, rannte er auf seinen Freund zu und stieß ihn zu Boden, um ihn mit seinem Körper zu schützen. Im selben Augenblick fiel der Schuß und er spürte, wie die Kugel in seinen Rücken eindrang...

Blair hatte nicht genug Zeit, um zu realisieren, was soeben geschehen war. Er hörte den Schuß, und dann Blut, überall Blut. Aber es war nicht seines. Er war okay. Dann sah er es. Jim. Es war Jims Blut. Vorsichtig legte er ihn auf den Rücken und rief einem der Polizisten zu, daß sie einen Krankenwagen brauchen würden.

Noch war Jim bei Bewußtsein. Wie lange noch? Wie schlimm war die Verletzung?

"Jim, kommen Sie. Bleiben Sie bei mir." Blair versuchte, die Blutung mit seinem Hemd zu stillen.
"Sandburg..."
"Jim, der Krankenwagen ist unterwegs. Halten Sie durch." Blair hörte schon die Sirenen der Ambulanz, als Jim ohnmächtig wurde.

Wie in Trance sah er, wie Jim in den Krankenwagen gehievt wurde, die Türen hinter ihm zuschlugen, und er mit Blaulicht in Cascade Hospital gefahren wurde. Er spürte Simons Hand auf seinem Arm, und stieg in Simons Wagen auf den Beifahrersitz ein. Er dachte gar nicht daran, selbst mit Jims Pickup zu fahren, und wahrscheinlich wäre er dazu auch nicht in der Lage gewesen, so wie seine Hände zitterten...

 

~~~~~


Und jetzt saß er hier. Unfähig irgend etwas zu unternehmen. Jim wurde gerade operiert, und er hatte keine Ahnung, wie es ihm jetzt ging. Wieso hatte Jim den Schützen nicht schon früher bemerkt? Hätte er denn irgend etwas tun können? Er trommelte mit den Fingern auf seinen Oberschenkel. Dann konnte er nicht mehr sitzen. Er stand auf und lief nervös herum. Ständig liefen die schrecklichen und auch irgendwie unwirklichen Bilder in seinem Kopf ab. Immer und immer wieder. Es war wie ein Alptraum. Er wünschte sich, daß er jeden Moment in seinem Bett aufwachen würde, und Jim schon mit dem Frühstück auf ihn warten würde. Plötzlich stand Simon hinter ihm. Seine Hände ruhten auf Blairs Schultern. Vorsichtig drehte er ihn zu sich um und nahm ihn in dir Arme. Dankbar legte dieser seinen Kopf an Simons Brust.

"Sandburg, sind Sie okay?"

"Ja... Nein... Ich meine ich kann’s immer noch nicht glauben."

"Ich weiß. Für mich ist es auch immer hart, wenn es einen meiner Leute trifft. Aber wenn es dann auch ein guter Freund ist..." Simon geleitete Blair wieder zu den Stühlen. Er brachte den jungen Studenten dazu, sich wieder zu setzen, ohne jedoch die Hand von seiner Schulter zu nehmen.

Blair holte tief Luft. Es fiel ihm schwer, über die Ereignisse zu reden, doch irgendwann mußte er es tun. Es mußte einfach raus.

"Die... die Kugel war für mich bestimmt, Simon. Jim hat mir das Leben gerettet, eigentlich müßte ich jetzt auf diesem Operationstisch liegen."
"Oder Sie wären tot. Wahrscheinlich hätte Sie die Kugel tödlich getroffen. Mit Selbstvorwürfen ist jetzt keinem geholfen."

"Ich weiß ja, aber trotzdem glaube ich, daß ich es hätte verhindern können. Ich meine, Jim hätte den Schützen doch früher bemerken sollen. Ich hätte merken müssen, daß er durch irgend etwas abgelenkt worden war oder was auch immer. Ach, ich weiß auch nicht, Mann. Ich meine, wenn er..."
"Nein. Er wird nicht sterben."
"Wenn doch, dann werde ich mir wohl mein Leben lang Vorwürfe machen."

"Jim ist stark, Blair. Er schafft das. Außerdem ist er viel zu stur, um einfach zu sterben. Glauben Sie mir."

"Ich hoffe doch, daß Sie Recht haben, Mann."

Simon spürte, wie Blair zitterte vor Angst – oder vor Wut? Er zog seinen Mantel aus, legte ihn über Blairs Schultern und zog ihn näher an sich heran. Wortlos saßen sie so einige Zeit nebeneinander. Keiner von beiden konnte sagen, wie lange sie jetzt schon da saßen, als ein Mann auf sie zukam.

"Guten Abend.", begann dieser das Gespräch. "Mein Name ist Professor Doktor Ian Duncan. Ich war der leitende Chirurg, als Ihr Freund operiert wurde. Zuerst einmal: Die Operation hat er überstanden."

Erleichtert ließ Blair die Atemluft aus den Lungen entweichen. Erst jetzt wurde ihm bewußt, daß er die ganze Zeit die Luft angehalten hatte. "Und, wie geht es ihm?"

"Den Umständen entsprechend gut."
"Den Umständen entsprechend?! Was heißt das?!" Blair wollte von seinem Stuhl aufspringen, aber Simon legte ihm die Hand auf die Schulter, und drückte ihn sanft nach unten.

"Die Kugel hat die Lunge durchbohrt und ist im Brustbein schließlich steckengeblieben. Ihr Freund hat aber noch Glück gehabt. Nur anderthalb Millimeter weiter rechts, und das Rückenmark wäre verletzt gewesen. Er ist im Moment noch nicht wieder bei Bewußtsein und wird noch künstlich beatmet. Noch ist er nicht überm Berg."

"Kann ich zu ihm?", wollte Blair wissen.

"Ja, aber verhalten Sie sich ruhig."
"Danke."
Nachdem der Arzt wieder gegangen war, wandte sich Simon an Sandburg. "Schaffen Sie es jetzt alleine? Wenn Sie mich nicht mehr brauchen, gehe ich dann nämlich nach Hause und schlafe ein bißchen."
"Gehen Sie nur Simon. Ich bleibe bei Jim."
"Wie Sie meinen. Sagen Sie mir aber Bescheid, wenn er aufgewacht ist."
"Okay. Mache ich."

~~~~~

Das Krankenzimmer war karg. Außer dem Bett mit verschiedenen Gerätschaften, einem Stuhl und einem kleinen Abstelltisch befand sich nichts weiter in dem Raum. Jim sah friedlich aus, so wie er da lag. Um seine Brust war ein Verband gewickelt, und er bekam ein paar Infusionen. Sein Herzschlag, der vom EKG ständig überwacht wurde, war normal und irgendwie wirkte dieses ständige Piepen des Gerätes beruhigend auf Blair. Er setzte sich auf den Stuhl neben Jims Bett und berührte vorsichtig das Gesicht seines Freundes. Es war kalt – wahrscheinlich eine Folge des Blutverlustes. Er wußte nicht warum, aber Blair hatte das Gefühl, daß Jim ihn vielleicht hören könnte. Er mußte jetzt einfach mit jemandem sprechen.

"Jim. Ich weiß nicht, ob Sie mich hören können, aber ich möchte Sie wissen lassen, daß ich hier bei Ihnen bin. Ich bleibe auch hier, bis Sie aufwachen. Jim, hören Sie, Mann, Sie müssen durchkommen. Ich weiß nicht, was ich ohne Sie machen soll. Und außerdem möchte ich Ihnen sagen, daß es mir leid tut. Die Kugel war für mich bestimmt. Jim, wieso haben Sie den Schützen nicht bemerkt? Hätte ich Ihnen vielleicht irgendwie helfen müssen?"

Blair stockte. Es fiel ihm schwer, die Fassung zu behalten, aber es tat auch gut, Jims Nähe zu spüren, und sich endlich mal alles von der Seele zu reden. Langsam spürte er, wie müde er eigentlich war. Er wollte nur noch schlafen. Andererseits wollte er auch Jim nicht im Stich lassen. Minutenlang saß er regungslos so an Jims Bett. Mit seiner Hand auf Jims Hand. Dann konnte er schließlich doch nicht mehr gegen die Müdigkeit ankämpfen. Er beugte sich vor, und gab seinem Freund – mehr als nur ein Freund – einen Kuß auf die Stirn. Dann versuchte er, es sich auf dem Stuhl so gut wie möglich gemütlich zu machen, und schließlich schlief er ein. Jedoch nicht, ohne die Hand seines Partners loszulassen.

~~~~~

Der Jaguar irrte durch den Dschungel von Peru. Es war dunkel, aber nicht weil es Nacht war. Irgendwie war es seltsam. Man konnte die Umrisse der Bäume und so erkennen, man konnte auch die Sonne sehen, die am Himmel stand, aber es war trotzdem düster. Die Augen des Jaguars leuchteten gespenstisch in der Dunkelheit. Anscheinend irrte das Tier ziellos herum. Es sah so aus, als wußte es nicht, wo er sich befand und wohin es gehen sollte. Ohne Vorwarnung erschien hinter dem Jaguar ein Indianer, doch auch diesen schien die schwarze Raubkatze nicht zu bemerken. Plötzlich fing der Indianer an zu sprechen:
"Zeigen Sie ihm den Weg, Blair. Weisen Sie ihm den Weg:"

~~~~~

 

"Jim!" Blair schreckte aus seinem Traum hoch. Was hatte das zu bedeuten? Er ging den Traum in Gedanken noch einmal durch, und versuchte einen Sinn in dem Traum zu entdecken. Der Jaguar stand für Jims animalischen Geist. Das Umherirren steht vielleicht für seinen jetzigen Zustand. Einige Indianerstämme glauben ja auch, daß die Seele sich verirrt hat, wenn ein Mensch sich in einem dem Koma ähnlichen Zustand befindet. Der Indianer... Blair erkannte ihn als Inkatcha. Er war der Häuptling des Stammes in Peru, von dem Jim damals aufgenommen worden war. Aber was sollte es bedeuten? "Weisen Sie ihm den Weg." Wie?
"Jim. Helfen Sie mir. Was hat Inkatcha damit gemeint?" Bis er seine eigenen Worte im Raum widerhallen hörte, war ihm nicht bewußt gewesen, daß er eben laut gesprochen hatte.

Doch noch während er über diesen seltsamen Traum weiter nachdachte, wurde er wieder vom Schlaf übermannt.

~~~~~

 

Wieder der Dschungel. Immer noch sah er den Jaguar herumirren. Aber diesmal war irgend etwas anders. Blair konnte diesmal selbst in dem Traum agieren. Er war aber nicht er selbst, sondern ein Wolf – sein animalischer Geist. Aber noch etwas war anders. Er sah sich um, dann bemerkte er es. Nicht weit von der Stelle entfernt, an der sie sich befanden, sah er einen Tempel. Es war nicht irgendein Tempel – es war der Tempel der Sentinels. Vor einiger Zeit wurde Jim von Alex, einem zweiten weiblichen Sentinel, in den Tempel gelockt.

Jetzt wußte Blair, was Inkatcha meinte, mit "Zeigen Sie ihm den Weg". Er mußte Jims animalischen Geist zu dem Tempel führen. Aber wie? Blair ging auf den Jaguar zu. Da bemerkte er, daß der Jaguar ihn direkt ansah. In seinen Augen waren keine feindlichen Absichten zu erkennen. Er schien den Wolf also zu bemerken, und nicht nur das – er schien sogar zu wissen, daß der Wolf sein Vertrauter war. Jetzt wußte Blair, wie er Jim den Weg zeigen konnte. Er ging einfach weiter auf den Tempel zu. An den Atemgeräuschen hinter ihm bemerkte er, daß der Jaguar ihm folgte. Als sie dann am Tempel angelangt waren, sah er, wie sich der Jaguar in Jim verwandelte.

Blair konnte sich nun sicher sein, daß sich alles wieder zum Guten wenden würde. Er spürte es einfach instinktiv. Beruhigt glitt er in einen tiefen, traumlosen Schlaf über.

~~~~~

 

"Mmmmh."

Sandburg wachte auf. Er glaubte, ein Geräusch gehört zu haben. Jim? Sollte es etwa Jim gewesen sein?

"Mmmmh."

Diesmal war er sich ganz sicher, etwas gehört zu haben. Diesmal war es ganz sicher kein Traum. Er sah zu Jim – und tatsächlich, sein Partner war wieder wach. Mühsam versuchte er, die Augen zu öffnen.

"Jim. Sie sind wach. Gott sei Dank! Versuchen Sie nicht zu reden. Sie werden noch künstlich beatmet. Morgen früh erzähle ich Ihnen dann alles."
Blair bemerkte, wie Jim sachte seine Hand drückte, und als Antwort lächelte er seinen Freund überglücklich an.

"Schlafen Sie noch mal ein, Jim. Wir sehen uns dann morgen früh ganz sicher wieder. Ich werde bei Ihnen bleiben."

~~~~~

 

Am nächsten Morgen, nachdem der Arzt seine Visite beendet hatte und nachdem Megan und Simon ihren Besuch abgeschlossen hatten, hatten Blair und Jim endlich Zeit, miteinander zu reden. Jim wurde nun nicht mehr künstlich beatmet.

"Jim. Ich bin ja so froh, daß es Ihnen gut geht."

Glücklich ließ sich Blair auf dem Stuhl nieder. Das Kopfende von dem Bett war nun etwas angewinkelt, und Jim lächelte, als er Blair zur Tür hereinkommen sah. Er bekam noch Infusionen, und sah auch noch relativ blaß aus, aber Blair war sich sicher, daß sein Freund jetzt durchkommen würde.

"Ich hab‘ gehört, daß Sie die ganze Nacht bei mir waren."
"Ja, das war ich."

"Irgendwie hab‘ ich es gewußt. Ich hatte so einen seltsamen Traum. Ich sah wieder diesen Jaguar, und der irrte durch den Dschungel. Dann sah ich diesen Wolf. Er ging auf diesen Tempel – den Tempel der Sentinels – zu, und ich folgte ihm einfach. Ja, und dann kann ich mir nur noch daran erinnern, wie ich letzte Nacht wieder zu Bewußtsein kam." Blair konnte nicht so recht glauben, was er da hörte. Jim hatte also dasselbe erlebt!
"Ich glaube, das war kein Traum. Ich hatte dasselbe erlebt, als ich kurz schlief. Zuerst sah ich nur den Jaguar, dann Inkatcha, der mir sagte, ich solle Ihnen den Weg zeigen. Als ich dann den Tempel sah, wußte ich, was zu tun war. Ich habe Sie zu dem Tempel geführt, und dann sind Sie circa anderthalb Stunden später aufgewacht."
"Mmmh. Das ist wirklich seltsam. Aber ich möchte Ihnen noch etwas sagen: Danke, Blair."
"Für was?"
"Dafür, daß Sie hier waren, und das Sie mir geholfen haben."

Jim streckte vorsichtig seinen Arm aus, um Blairs Hand zu nehmen. Dieser schaute seinem Partner tief in die Augen, und lächelte.
"Aber das war doch selbstverständlich, Jim. Sie sind mein Partner und mein bester Freund. So schnell würde ich Sie schon nicht alleine lassen. Sie würden dasselbe doch auch für mich tun, besser gesagt, Sie haben dasselbe schon für mich getan damals, als Alex mich töten wollte."

"Trotzdem: Danke."

"Wie geht es Ihnen eigentlich? Haben Sie starke Schmerzen?", wollte Blair wissen.

"Es ist auszuhalten. Ihre Technik mit den Schmerzreglern funktioniert ziemlich gut, und die Schmerzmittel betäuben den Rest."

"Dann haben meine ganzen Tests und meine Ratschläge also doch mal bei Ihnen gefruchtet.", antwortete Blair mit einem Lächeln.

"Ja, kaum zu glauben." Jim versuchte zu lachen, aber der Schmerz, der ihn dabei durchzuckte, lehrte ihn eines Besseren.

"Wissen Sie schon, wann Sie hier wieder entlassen werden?"

"Naja, der Arzt meinte, noch ein paar Tage, dann kann ich hier raus. Wieso fragen Sie? Wollen Sie Ihre Freiheit genießen? Kommen Sie, seien Sie ehrlich."

"Ja. Natürlich. Für heute Abend ist schon die erste Party geplant. Was denken Sie denn?"

In diesem Moment kam ein Arzt zur Tür herein. "Entschuldigen Sie bitte, aber die Besucherzeit ist erst einmal vorüber. Sie können heute Nachmittag wiederkommen."

Jim drückte noch einmal Blairs Hand. "Ich glaube, Sie gehen jetzt besser."
"Ja. Ich komme heute Nachmittag aber noch einmal vorbei." Blair stand auf, und ging Richtung Tür.

"Okay. Bis dann. Und Blair: Noch einmal vielen Dank."
"Ja, ja. Bis nachher."

Als die Tür ins Schloß fiel, mußte Jim noch einmal lächeln. Eine Weile noch lauschte er Blairs Schritten, bis er schließlich hörte, wie unten ein Wagen gestartet wurde. Dieser Junge war einfach erstaunlich. Eigentlich wußte er bis heute nicht, wie sie beide jemals Freunde werden konnten. Sie waren schließlich so unterschiedlich wie Feuer und Wasser. Aber jetzt waren Sie Partner und Zimmergenossen, Beschützer und Führer und vor allem sehr gute Freunde.

 

- ENDE -

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