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Additional Disclaimer: Agent Dana Scully and Agent Fox Mulder aren't mine. They belong to Chris Carter and Fox Networks. I don't make any money with it. It's just for pleasure. No Copyright infringement intended.

 

Der Sentinel
- Die Macht der Gedanken -
by Franziska (autumn 1999)

 

I

Jim traute dem Frieden noch nicht ganz. Heute Abend sollten die LA Lakers ein Freundschaftsspiel gegen die Cascade Jaguars geben, und Jim hatte für sich und Blair zwei Karten in der ersten Reihe – gleich hinter den Spielern und dem Trainer. Doch in den letzten paar Jahren hatte er keinen ruhigen Tag verbringen können. Ständig war irgend etwas, ein Killer, der gefaßt werden mußte, ein Terrorist, der die halbe Stadt in Brand setzte, und immer setzte Simon ihn auf den Fall an. Aber heute Abend würde er keinen Fall lösen, der heutige Abend sollte ganz ihm und dem Basketball gehören. Heute war sein freier Abend.

"Jim, wir sollten langsam losfahren.", mit diesen Worten riß ihn Blair aus seinen Gedanken.

"Ja, natürlich. Kommen Sie, Häuptling."

Als die beiden im Auto saßen, fragte Blair Jim: "Und, freuen Sie sich auf den heutigen Abend?"

"Das sage ich Ihnen, wenn er vorbei ist. Oder haben Sie schon mal einen Tag erlebt, an dem ich ausspannen konnte, ohne das Simon oder sonst wer dazwischen funkte?"

"Um ehrlich zu sein, nein. Aber meinen Sie nicht, daß heute Abend die ganze Stadt das Spiel verfolgen wird? Ich meine, die Lakers in Cascade, wann kommt das mal vor, alle zehn Jahre?"

"Ich vertraue einfach mal auf Ihren Optimismus."

"Das sollten Sie auch, würde Ihnen ganz gut tun."

"Auf wen haben Sie gewettet, hm?", wollte Jim neugierig wissen.

Blair setzte den unschuldigsten Gesichtsausdruck auf, den er bieten konnte. "Wer, ich? Als ob ich wetten würde, kommen Sie Jim!"

"Tun Sie nicht so, Häuptling. Ich weiß genau, daß Sie gewettet haben. Also, auf wen?"

Er nahm seine Haare zurück und band sie zu einem Zopf zusammen, bevor er mit einem Seufzer antwortete. "Okay, okay. $1 auf die Jags und $30 auf die Lakers."

"Die Lakers?! Ein bißchen mehr Vertrauen in unser Team wäre schon nicht schlecht."

"Ich will aber gewinnen, nicht verlieren. Sie glauben doch nicht im Ernst, daß Cascade gewinnen wird? Schließlich hat LA eine ganze Menge Starspieler aufzubieten."

"Aber es geschehen immer wieder Zeichen und Wunder. Kommen Sie, Häuptling, wir sind da."

~~~~~~~~~~

 

 

 

Zur gleichen Zeit, am anderen Ende der Stadt...

"Mulder! Das ist nicht ihr Ernst! Ich dachte, wir wollten einfach mal ausspannen. Sie sehen sich das heutige Spiel im Fernsehen an, und ich treffe mich mit meiner Verabredung im Restaurant." Scully war wirklich wütend. Sie hatte sich so auf den Abend gefreut, und jetzt funkte ihr Mulder dazwischen. In solchen Momenten fragte sie sich, ob es wirklich richtig war, zum FBI zu gehen. Nicht, daß sie an eine Kündigung dachte, aber manchmal wünschte sie sich einfach mal mehr Ruhe und ein bißchen mehr Privatleben.
"Ja, aber das war, bevor ich das hier gesehen habe."
"Was denn überhaupt?"
"Dieses Überwachungsvideo der National Trust Bank, die heute nachmittag ausgeraubt wurde."
"Was ist an einem Bankraub so ungewöhnlich, daß Sie glauben, daß es das Cascade Police Departement nicht alleine schaffen würde?"
"Ich zeige es Ihnen." Mulder ließ das Band ablaufen, und Scully versuchte verzweifelt irgend etwas zu entdecken, was anders war, als bei all den anderen Bankrauben.

"Okay, Mulder. Was genau ist da jetzt so unheimlich?"
"Sehen Sie das nicht? Die Leute tun genau das, was der Bankräuber will. Und entdecken Sie hier auf dem Video irgendeine Art von Waffe?" Dabei mußte sie ihm allerdings recht geben. Es war wirklich keine Waffe zu entdecken, und für einen Überfall war das schon etwas seltsam.

"Sie haben Recht, er benutzt wirklich keine Waffe. Ich möchte diese Frage eigentlich gar nicht stellen, aber was ist Ihre Theorie?"
"Ich denke, daß wir es hier mit einer Art Telepathie zu tun haben. Der Telepath kann in die Gedanken der Menschen eindringen, und sie das tun lassen, was er will."
"Kommen Sie, das ist doch absurd."
"Haben Sie eine bessere Erklärung?"
"Bis jetzt noch nicht, aber ich bin mir sicher, es gibt eine."
"Kommen Sie dann jetzt mit auf das Polizeirevier?"

"Ich kann Sie doch nicht alleine gehen lassen. Am Ende denken die noch, das FBI wäre jetzt total durchgeknallt, wenn die nur Ihre Theorie hören." Sie wußte, daß sie sich jede weitere Debatte mit Mulder zu diesem Thema genauso gut sparen konnte. Er würde sich sowieso nicht von seiner Meinung abbringen lassen. Und bevor das hiesige Polizeirevier ihn noch in eine Ausnüchterungszelle stecken würde, beschloß sie lieber, mitzugehen.

~~~~~~~~~~

 

Es waren jetzt nur noch 5 Minuten zu spielen, und die Lakers lagen mit nur 2 Punkten im Vorsprung. Die Jaguars hatten den Ball, als Jims Telefon klingelte. Er warf Blair einen Blick zu, der ungefähr ausdrücken sollte: ‚Ich habe es geahnt.‘. Mürrisch nahm er ab, eigentlich wußte er schon, wer da am anderen Ende der Leitung war.

"Ja, hier James Ellison."
"Jim, hier ist Simon."

"Simon, was wollen Sie?"
"Ich brauche Sie beide. Das FBI ist hier wegen dem Bankraub von heute nachmittag."
"Ich dachte, Sie hätten Detective Jacobs damit beauftragt? Und seit wann interessiert sich das FBI für Banküberfälle in Cascade?"
"Naja, die beiden hier arbeiten für eine spezielle Abteilung des FBI."
"Wie bitte? Wie ist denn das gemeint?"
"Am besten, Sie kommen selbst. Jetzt."
"Ich kann nicht. Ich bin gerade im Basketball Stadion beim Spiel. Ich kann jetzt nicht einfach gehen."
"Sie können. Das ist ein Befehl. Außerdem brauche ich Sie und Blair. Die beiden hier haben eine sehr interessante Geschichte zu erzählen."
Jim seufzte. "Okay, Sir. Wir sind unterwegs." Mit diesen Worten legte er auf.

"Kommen Sie, Häuptling. Unser Typ wird verlangt."
"Was?! Jetzt?! Wissen Sie, daß ich meinen Einsatz verliere, wenn ich nicht sofort nach dem Spiel zum Wettbüro gehe?"
"Das ist Simon glaube ich ziemlich egal."
"Okay, ich gehe ja schon."

 

II

 

Jim nahm seine Baseballkappe ab und versuchte, so ruhig wie möglich zu klingen als er Simon gegenüberstand. "Okay, Simon. Was ist so wichtig, daß ich dafür das Spitzenspiel der letzten paar Jahre verpasse? Wissen Sie wenigstens wer gewonnen hat?"
"Zu Ihrer zweiten Frage: die Lakers haben mit 89 : 92 gewonnen. Ihre erste Frage ist nicht so leicht zu beantworten. Am besten Sie lassen es sich von diesem Special Agent des FBI selbst erklären.", sagte Simon mit Blick auf einen ca. 1,85 m großen, dunkelhaarigen Mann. Für Jim sah er etwas durchgeknallt aus, wie er da saß und Sonnenblumenkerne aß. Seine Kleidung sah auch etwas zerknittert aus. Wahrscheinlich hatte er in dem Anzug geschlafen, den er gestern an hatte, und ihn heute früh auch nicht gewechselt.

"Ich bin Special Agent Fox Mulder vom FBI, und das ist meine Partnerin Special Agent Dana Scully.", stellte er sich vor.

"Ich bin Detective James Ellison, mein Partner Blair Sandburg.", bemerkte er mit einer Handbewegung in Richtung Blair. "Also, wieso sind Sie hier?"
"Kennen Sie das Video der Überwachungskamera der ausgeraubten Bank?"
"Nein, noch nicht. Ich bin, zumindest bis jetzt, mit diesem Fall nicht betraut worden."
"Auf dem Video ist ein Bankraub ohne Waffe zu sehen. Außerdem arbeitet der Mann alleine. Keine Komplizen, nichts. Für mich klingt das nicht nach einem gewöhnlichen Banküberfall."
"Stimmt, für mich auch nicht. Also, was haben Sie denn für eine so interessante Theorie, daß Simon mich hierher gerufen hat?"
"Also, ich denke da an Telepathie. Der Typ ist wahrscheinlich telepathisch veranlagt, und hat die Macht, die Gedanken anderer Leute zu kontrollieren."

Das war für Jim zuviel. Dieser Spinner, der ihm hier gegenüberstand erzählte ihm etwas von Telepathie!
"Wie bitte?! Habe ich Sie da richtig verstanden?! Telepathie und Gedankenkontrolle?! Wir sind hier doch nicht bei den Jedi-Rittern. Was kommt als Nächstes? UFOs, Außerirdische, kleine grüne Männchen?! Wissen Sie was, Sie haben mir den Abend versaut, und das alles wegen Telepathie! Unglaublich."
"Das kommt mir bekannt vor.", murmelte Scully vor sich hin, und machte damit Jim auf sich aufmerksam. "Und, haben Sie auch so ’ne verrückte Theorie, hm?"
"Nein, keine Angst. Ich bin solche Sachen nur gewöhnt. Ich arbeite mit Mulder schon seit 6 Jahren zusammen."

"Okay, meinetwegen. Ich schlage vor, daß wir uns morgen früh gleich den Tatort ansehen, und danach einige von den Bankangestellten und Kunden befragen. Die Bank ist die nächsten drei Tage noch unzugänglich für Zivilisten."

"Wir sind morgen da. Also, dann, Gute Nacht."
"Ja, auf Wiedersehen."

Dann wandte Jim sich an Simon. "Können wir Sie mal sprechen, Sir? In Ihrem Büro."
"Okay."
"Also, was soll dieses Affentheater?", fing Ellison an, als die drei in Simons Büro waren.

"Ich versuche es Ihnen zu erklären: Diese beiden Agenten bearbeiten beim FBI die X-Akten."
"Ja, davon habe ich schon gehört.", mischte sich Blair ein. "Das sind die ungelösten Fälle, bzw. solche Fälle, die irgend etwas Übernatürliches an sich haben."
"Ja, genau."
Jetzt wurde Jim stutzig. "Moment mal, Simon, was hat ein Banküberfall schon Übernatürliches an sich?"

"Sie wissen genau, daß ich auch nicht viel von diesem Quatsch halte, aber finden Sie einen Bankraub ohne Waffen und ohne Komplizen nicht auch etwas seltsam? Jedenfalls finde ich es in diesem Fall nicht schlecht, die Hilfe dieser beiden Agenten bekommen zu können. Die haben mit solcher Art von Fällen schließlich schon genug Erfahrung."
"Und wieso müssen unbedingt wir beide diese Agenten ertragen?"

"Ich dachte, daß es vielleicht nicht schlecht wäre, wenn Blair dabei wäre. Schließlich scheint er ja mit so was Erfahrung zu haben."
"Wie kommen Sie denn darauf?", fragte ihn Blair.

"Damals bei der Geistergeschichte, oder was auch immer das war, haben Sie ja auch alle möglichen Meßgeräte angeschleppt. Sie scheinen sich für Übersinnliches zu interessieren, habe ich Recht?"

"Ich habe aber keine Erfahrung mit Telepathie."
"Ja, aber Sie könnten vielleicht zwischen Jim und den FBI-Agenten vermitteln. Also, Jim: Sie werden den Fall übernehmen, und Ihr Bestes tun, damit die Zusammenarbeit mit den FBI-Agenten einigermaßen gut verläuft."

Jim sah ein, daß er sowieso keine Chance gegen Simon hatte. "Meinetwegen. ich schätze, ich kann Sie sowieso nichts tun. Sie sind der Boß." Er setzte seine Baseballkappe wieder auf und machte sich auf den Weg zur Tür. "Gute Nacht, Simon."

"Gute Nacht, Jim. Sandburg."

 

III

 

 

"Und, was halten Sie von den beiden Agenten?", wurde Jim von Blair gefragt, als die beiden wieder in ihrer Wohnung waren.

"Ich finde die Idee total bescheuert. Ich meine, die Polizei von Cascade wird ja noch in der Lage sein, einen Bankraub ohne die Hilfe der Bundespolizei aufzuklären. X-Akten, Telepathie, übernatürliche Phänomene, also für mich klingt das nach Spinnerei. Ich möchte mal wissen, wie sehr man beim FBI irgendwelchen Vorgesetzten auf die Füße treten muß, um in so eine Abteilung versetzt zu werden."
"Also, ich finde das alles gar nicht so abwegig. Ich meine denken Sie doch mal nach: Sie sind ein Sentinel. Ihre Sinne funktionieren um Einiges besser, als die normaler Menschen. Mal ehrlich, wieviel Leute würden Ihnen schon glauben, wenn Sie ihnen davon erzählen würden? Die würden doch alle denken, daß Sie auf Drogen sind. Vielleicht ist das ja bei Telepathen so ähnlich. Vielleicht ist das auch 'ne Art Sentinel- Fähigkeit. Vielleicht haben wir alle eine latente Fähigkeit zur Telepathie, nur daß bei diesen Leuten diese Fähigkeit irgendwie an die Oberfläche gelangt. Denkbar wäre es doch, oder?"
"Kommen Sie, Häuptling. Das ist doch etwas völlig anderes. Außerdem werden Sie ja wohl zugeben, daß dieser Mulder, oder wie auch immer der heißt, ein etwas komischer Kauz ist. Ich meine, schon allein der Vorname: Fox..."

"Jim, hören Sie auf. Vielleicht können die beiden wirklich etwas zur Lösung des Falles beitragen."
"Wir werden sehen. Gleich morgen früh. Also, gute Nacht, Sandburg."
"Gute Nacht."

~~~~~~~~~~

 

"Mulder, was machen wir hier?"
"Wie meinen Sie das?"
"Ganz einfach, Detective Ellison ist nicht bereit, mit uns zusammenzuarbeiten, und ehrlich gesagt glaube ich nicht, daß die Cascade Police die Hilfe des FBI braucht, um einen Bankraub aufzuklären. Kommen Sie, Mulder. Das ist doch nicht Ihr Ernst."
"Ich finde, wir sollten die morgige Tatortbegehung abwarten. Vielleicht ergibt sich ja was."
"Ja, vielleicht. Gute Nacht.", antwortete Scully und ging auch schon in ihr Appartement. Sie hoffte inständig, daß sich morgen früh einiges aufklären würde, und sie wieder zurück nach Washington D.C. fahren konnte. Detective Ellison wollte offensichtlich sowieso nicht mit dem FBI zusammenarbeiten, und sein Partner – wie hieß er noch mal? Sand... Sand... Sandburg, oder so ähnlich – kam ihr auch etwas seltsam vor. Nie im Leben war der Polizist. Er war vielleicht ein Student mit seinen langen Haaren und den Ohrringen. Jung und naiv. Ehrlich gesagt, glaubte sie nicht, daß er viel zur Polizeiarbeit beitragen könnte.

Jetzt war es 23:45, und sie wollte nur noch in ihr Bett.

~~~~~~~~~~

 

Zehn Stunden später um 9:45 fanden sich Mulder, Scully, Ellison und Blair in der National Trust Bank ein. Wie zu erwarten, fanden sie keine Hinweise auf den Täter, und auch keine Anzeichen von Gewalteinwirkungen.

Jim sah sich um, aber ihm fiel nichts weiter auf, außer einer Stofffaser am Ausgang der Bank, aber das würde kaum weiterhelfen. Als er in die Nähe des betroffenen Schalters kam, bemerkte er plötzlich einen eigenartigen süßlich - säuerlichen Geruch. Entweder hatte hier jemand eine Vorliebe für seltsame Parfumdüfte, oder ein Koch aus einem chinesischen Restaurant hatte sich hier aufgehalten. Dieser Geruch war sehr aufdringlich, aber im Moment trug dies auch nicht sehr viel zu den Ermittlungen bei. Im Prinzip könnte der Duft von jedem stammen. Dem Angestellten, einem Kunden oder möglicherweise auch dem Täter. Dabei konnte er sich allerdings nicht hundertprozentig sicher sein. Um keinen unnötigen Verdacht bei den beiden FBI – Agenten zu erregen, beschloß er, diese Beobachtung zuerst einmal für sich zu behalten.

"Entschuldigen Sie uns mal für einen Moment.", hörte Mulder Sandburg sagen, bevor er mit Jim außer Hörweite verschwand. Ihm war vor ein paar Minuten schon aufgefallen, daß dieser Ellison sich merkwürdig verhielt, und von Blair die ganze Zeit besorgt beobachtet wurde. Aber was sollten die beiden denn zu besprechen haben, was er und Scully nicht hören sollten? Er würde es schon herausfinden.

"Jim, haben sie irgend etwas bemerkt?", wollte Blair wissen.
"Nur diese Faser hier am Ausgang.", sagte er, und hielt gleichzeitig eine kleine Plastiktüte hoch, in welcher sich die besagte Stoffaser befand. "Aber die kann von jedem hier stammen. Ich lasse sie trotzdem überprüfen, obwohl ich nicht glaube, daß sie uns auch nur ein bißchen weiterhilft."

"Sind Sie sicher, daß es sonst nichts weiter ist? Ich habe Sie beobachtet. Irgend etwas haben Sie doch gespürt. Also, was ist los?"

"Nichts. Wirklich. Ich werde es Ihnen schon erzählen, wenn irgend etwas ist. Aber dieser Agent scheint uns die ganze Zeit zu beobachten.", antwortete er mit einem argwöhnischen Blick in Richtung Mulder. "Wir gehen jetzt besser wieder zurück zu den Beiden."

"Und, was schlagen Sie jetzt vor?", wollte Scully von Ellison wissen.

"Sie und Sandburg werden ein paar Kunden befragen, die gestern bei dem Überfall dabei waren. Ihr Partner und ich werden ein paar der Angestellten fragen. Vielleicht bekommen wir so ein paar Hinweise."

"Und wieso arbeiten nicht Sandburg und Sie, und Scully und ich zusammen?", mischte sich Fox ein.

"Weil Simon es für eine gute Idee hält, uns etwas aufzuteilen. Er glaubt, so könnten wir uns vielleicht gegenseitig ergänzen. Mir gefällt diese Idee auch nicht, aber was soll’s. Machen wir uns auf den Weg."

 

IV

 

 

Als erstes wurde der Mitarbeiter der Bank befragt, an dessen Schalter der Überfall statt fand – Mister Jenson.

"Mr. Rick Jenson, richtig?", begrüßte Jim ihn.

"Ja, der bin ich. Wer sind Sie?"
"Cascade Police. Ich bin Detective James Ellison, und das ist Special Agent Fox Mulder vom FBI."
"Ich habe Sie schon erwartet. Kommen Sie rein, ich sage Ihnen aber gleich, daß ich Ihnen nicht sehr behilflich sein werde."
"Wir werden sehen." Jim und Fox betraten das Haus von Mr. Jenson. Es war eine ganz gewöhnliche Wohnung, so wie sie ein Großteil der amerikanischen Bevölkerung besaß. Ellison hörte im Garten Kinder spielen, und als er sich umsah entdeckte er Bilder von Jensons Familie. Er hatte eine hübsche Frau, blonde Haare und grüne Augen, und drei Kinder – 2 Jungen und ein Mädchen. Jenson selbst war eher klein, untersetzt und hatte eine Brille, aber er strahlte eine gewisse Autorität und Vertrauen aus.

"Ist Ihnen irgend etwas an dem Täter aufgefallen?", fing Jim mit der Befragung an.

"Nein. Um ehrlich zu sein, kann ich mich an gar nichts erinnern."
"Was genau wissen Sie denn noch von dem gestrigen Nachmittag?"
"Ich weiß nur, wie ich ein paar Kunden bediente. Ungefähr eine halbe Stunde nachdem ich die letzte Kundin – Mrs. Openshaw – bediente, entdeckte ich, daß in der Kasse ungefähr $ 1.000.000 fehlen. Was allerdings in dieser halben Stunde passierte – das weiß ich wirklich nicht."

"Haben Sie sich danach irgendwie seltsam gefühlt?", wollte Mulder wissen.

"Naja, ich fühlte mich schon etwas benommen. Ungefähr so, als wäre ich gerade aufgewacht."
"Und sonst ist Ihnen nichts aufgefallen?"
"Nein. Das sagte ich doch schon."

"Trotzdem danke. Wenn Ihnen noch etwas einfallen sollte, dann sagen Sie dem hiesigen Police Departement – Captain Banks – Bescheid.", verabschiedete sich Mulder.
"Auf Wiedersehen."

"Und, was denken Sie?", fragte Jim Mulder nachdem sie wieder im Auto saßen.

"Tja, ich denke, daß sich mein Verdacht auf Telepathie immer mehr verstärkt."
‚Jetzt fängt der schon wieder damit an!‘ "Wie bitte?"
"Der Zeitverlust verbunden mit Gedächtnisverlust, die Benommenheit – also für mich klingt das alles nach Gedankenkontrolle."
"Ja klar. Und das Geld hat er dann den kleinen grünen Männchen gebracht."

"Ich meine es ernst, und ich meine, daß wir vorsichtig bei dem Typ sein sollten. Wir wissen nicht, wozu der in der Lage ist. Ich hatte schon einmal so einen Fall. Ich meine mit Gedankenkontrolle und so. Er war dazu in der Lage, andere Leute dazu zu bringen, sich selbst zu töten. Dieser hier scheint mir zwar von einem anderen Kaliber zu sein, aber deswegen ist er nicht minder gefährlich."

"Wir werden so vorgehen wie immer. Wir suchen und finden ihn, und dann verhaften wir ihn. Sollte er Widerstand leisten, erschießen wir ihn. Selbst ein "Telepath" ist nicht immun gegen Kugeln."

"Vorausgesetzt wir finden ihn. Immerhin haben wir noch keinerlei Hinweise auf den Täter, und ich glaube nicht, daß Scully und Ihr Assistent weiter sind."
"Lassen Sie das nur meine Sorge sein."

"Wenn Sie meinen."

~~~~~~~~~~

 

In diesem Moment hatten Sie das Police Departement erreicht. Scully und Sandburg erwarteten sie schon an Jims Schreibtisch.

"Und, was haben Sie?", wollte Jim von den beiden wissen.

"Nichts. Keinem der Kunden an diesem Tag ist irgend etwas Ungewöhnliches aufgefallen.", antwortete Blair.

"Hatte irgend jemand über Gedächtnisverlust geklagt?", mischte sich Fox ein.

"Nein, Mulder. Kein Gedächtnisverlust, kein Anzeichen von Gedankenkontrolle.", beantwortete Scully diese Frage etwas zynisch.

"Bei Ihnen vielleicht nicht, aber der Angestellte, an dessen Schalter der Vorfall geschah, klagt über Gedächtnisverlust. Er sagte, er könne sich an nichts erinnern."

"Trotzdem haben wir immer noch nichts in der Hand.", warf Scully ein. "Wir haben uns noch mal das Video angesehen. Der Täter wird wirklich ganz gewöhnlich von dem Angestellten bedient. Kein Zögern, nichts. Und kein Gesicht auf dem Band zu sehen. Der Typ muß genau gewußt haben, wo die Linse der Kamera gerade hinzeigte."

"Tja, ich denke heute kommen wir sowieso nicht viel weiter, und es ist auch schon fast sechs Uhr. Ich würde sagen, wir machen morgen früh weiter.", sagte Jim.

~~~~~~~~~~

 

Ungefähr dreißig Minuten später waren Jim und Blair wieder zu Hause. Heute hatte Ellison wirklich keine Lust mehr, etwas zu kochen, also beschloß er, sich etwas vom Chinesen kommen zu lassen.
"Wollen Sie auch etwas, Häuptling?"

"Nein danke. Ich habe in einer Stunde noch eine Verabredung zum Essen. Da möchte ich mir jetzt noch nicht den Magen vollschlagen."
"Eine Verabredung? Wer ist es denn heute? Eine Studienkollegin?"
"Ganz falsch. Es ist Dana."

Jim zog eine Augenbraue hoch. "Dana? Welche Dana?"
"Dana Scully."

Das konnte ja wohl nicht wahr sein! "Dana Scully? Agent Dana Scully?!" Jim mußte sich jetzt echt zurückhalten, um nicht laut loszulachen. "Das ist nicht Ihr Ernst."
"Doch. Wir gehen heute Abend essen."
"Aber die ist doch gar nicht ihr Typ."
Neckisch fragte Blair. "Eifersüchtig?"
Für diese Frage fing er sich von Jim einen freundschaftlichen Klaps auf den Hinterkopf ein. "Quatsch. Trotzdem, viel Spaß. Aber wenigstens von der Größe her passen Sie beide gut zusammen."
"Haha."

 

V

 

 

Es war jetzt ca. 19:40 Uhr, und Scully war schon seit 10 Minuten überfällig. Blair wurde langsam unruhig, und schaute immer wieder auf die Uhr. Die Zeit schien immer langsamer zu vergehen, und er fragte sich langsam, ob Dana überhaupt noch auftauchen würde. Andererseits konnte er sich auch nicht vorstellen, daß sie ihn einfach versetzen würde. Das war einfach nicht ihre Art. Wahrscheinlich steckte sie im Stau, oder etwas anderes ist dazwischengekommen. Oder? Vielleicht wollte sie wirklich nicht kommen. Vielleicht machte sie sich lustig über ihn. Aber das konnte er einfach nicht glauben. Nicht sie, nicht Dana.

"Hallo, Blair.", mit diesen Worten wurde er aus seinen Gedanken gerissen.

"Dana? Entschuldigen Sie, ich war gerade in Gedanken versunken."

"Sie dachten doch hoffentlich nicht, daß ich Sie sitzen lasse, oder?"
"Was? Nein, nein. Aber wo waren Sie denn?"
Dana setzte sich auf den Stuhl, den Blair ihr anbot. "Ich stand mal wieder im Stau. Tut mir leid."

"Keine Ursache. Sie sind ja jetzt schließlich da."
"Haben Sie schon bestellt?"
"Nein, ich wollte auf Sie warten."
"Was können Sie denn empfehlen?"
"Die Peking – Ente ist hier sehr zu empfehlen."
"Okay, dann bestellen Sie das bitte auch für mich." Nachdem der Ober die Bestellung entgegengenommen hatte, beschloß Blair das Thema zu wechseln.

"Was läuft zwischen Ihnen und Mulder?"
"Was soll da laufen?"
"Na was denn schon. Ich meine Mulder ist ein attraktiver Mann, und Sie sehen auch nicht gerade schlecht aus." Bei diesen Worten umspielte ein verschmitztes Lächeln Sandburgs Lippen.

"Nein. Wir arbeiten lediglich zusammen, so wie sie und Ellison."
Jetzt wurde Blair neugierig. "Aber ein bißchen Anziehung wird ja wohl zwischen Ihnen sein, oder?"

"Nein. Ganz sicher nicht. Mulder ist gar nicht mein Typ." Er bemerkte, wie Scully bei diesen Worten leicht errötete. Es stimmte also doch. So ganz egal war ihr Mulder wohl doch nicht. "Und Sie, Blair? Wie steht es mit Ihrem Liebesleben? Stecken Sie in einer festen Beziehung?"
"Naja, nicht so ganz."
"Was heißt nicht so ganz?"
"Ich habe hin und wieder mal eine Verabredung oder so. Manchmal wird auch etwas mehr daraus, aber etwas richtig Ernstes ist bis jetzt noch nicht dabei gewesen."
"Sie sind also ein kleiner Casanova."
"Schön wär’s."

Nach diesen Worten herrschten einige Minuten Schweigen zwischen Blair und Dana. Sie wußten einfach nicht so recht, über was sie sich mit dem Gegenüber unterhalten sollten. Verlegen stocherten sie in ihrem Essen herum oder sahen sich das Restaurant an, nur um den direkten Blickkontakt zu dem jeweils anderen zu vermeiden. Nur ab und zu schaute einer der beiden seinen Gegenüber an, wenn er wußte, daß er es nicht bemerken würde. Doch dann trafen sich ihre Blicke. Sie schauten sich einige Sekunden lang tief in die Augen. Rein zufällig berührten sich ihre Hände.

"Wissen Sie, es wundert mich eigentlich, daß eine so attraktive Frau wie Sie es sind noch solo ist.", versuchte Blair ein Gespräch anzufangen, um über die Verlegenheit hinwegzuspielen.
"Es war einfach noch nicht der Richtige dabei. Ich scheine immer die Falschen Männer anzuziehen. Meistens sind es irgendwelche Psychopathen, in die ich mich verliebe."

"Also, bei mir brauchen Sie da keine Angst zu haben."
"Da wäre ich mir noch nicht so sicher."
Das Lächeln, daß ihm Scully mit diesen Worten schenkte, war einfach zauberhaft. Blair wünschte sich eine Kamera, mit der er dieses Lächeln für immer festhalten konnte. Und dieser Blick. Er konnte seinen Blick einfach nicht von ihren Augen ablenken. Er wollte ihr jetzt am liebsten ganz nahe sein. In ihrem Gesicht konnte er erkennen, daß sie auch dasselbe wollte. Oder war es nur Wunschdenken? Egal, er mußte es einfach riskieren. Er mußte einfach einen Kuß riskieren. Wenn sie ihm danach eine Ohrfeige gab – auch gut. Aber die Chance durfte er nicht ungenutzt verstreichen lassen.

Noch einmal sah er ihr tief in die Augen. Vorsichtig beugte er sich herüber, und bemerkte, wie auch sie sich ihm zuwandte. Und dann näherten sich ihre Lippen einander an – plötzlich klingelte Sandburgs Handy. Erschrocken und verlegen, als wären sie gerade aus einem Traum erwacht, zogen sie ihre Hände voneinander weg.

"Sie sollten dran gehen.", sagte Scully.
Blair wußte nicht so recht, was sie meinte. "Was?"
"Ihr Handy. Es klingelt."
"Ach so, ja. Sandburg hier."
"Blair, hier ist Jim. Kommen Sie bitte zur ‚Bank of Cascade‘. Sie wurde vor circa 30 Minuten ausgeraubt. Dasselbe Muster wie beim letzten Mal. Keine Zeugen, keine Verdächtigen. Wir sind gerade hier eingetroffen."
"Wer arbeitet denn um diese Zeit noch in einer Bank?"
"Der Angestellte machte Überstunden. Er war wohl zum Geldzählen verdonnert wurden."
"Okay, wir sind unterwegs."

"Was ist denn?", wollte Dana wissen.

"Die nächste Bank wurde ausgeraubt. Wir sollen sofort kommen. Die anderen sind schon vor Ort."

"Und wieder ein verpatzter Abend..."

 

VI

 

 

"Was gibt es denn?", fragte Scully Mulder, nachdem sie mit Blair bei der Bank angekommen war.

"Es ist dieselbe Vorgehensweise wie beim letzten Mal. Der Gangster marschiert ohne Waffe hier rein, am Sicherheitsbeamten vorbei, und nimmt einfach das Geld mit. Weder der Angestellte noch der Sicherheitsbeamte bemerken etwas, bis sie dann circa 20 Minuten später wieder zu sich kommen, und feststellen, daß Geld fehlt. Auf dem Überwachungsvideo ist der Typ mal wieder nur von hinten zu sehen, wenn überhaupt. Er wußte genau, wo welche Kamera hängt, und wie er sich zu bewegen hatte, wenn er nicht gesehen werden wollte."
"Und Sie sehen darin Ihre Theorie von Telepathie mal wieder bestätigt?"
"Ja. Haben Sie einen besseren Vorschlag?"
"Nein, bisher leider noch nicht."

~~~~~~~~~~

 

Jim hielt sich gerade in der Nähe des Tresorraumes auf, als er wieder diesen komischen Geruch bemerkte.

Aber nicht nur das. Ihm überkam auch plötzlich ein Gefühl des Schauers. Ein Gefühl, als ob ein elektromagnetisches Feld in der Nähe wäre. Aber der Raum war frei von Computern oder ähnlichen technischen Geräten. Also, woher sollte dieses Feld kommen?

"Was haben Sie denn?", hörte er Blair fragen. Er hatte ihn gar nicht kommen hören, sosehr war er von dieser Sache abgelenkt gewesen.
"Nur so ein Gefühl des Schauers. Als ob ein starkes EM - Feld in diesem Raum wäre."

"Ich glaube, ich habe eine Idee, was es sein könnte."
"So? Was denn?"
"Es ist bekannt, daß Telekinese EM - Felder hinterläßt. Vielleicht ist das bei dieser speziellen Art von Telepathie auch so."
Er seufzte. "Jetzt kommen Sie mir nicht schon wieder damit, Häuptling."

"Wie erklären Sie sich dieses Gefühl denn sonst? Hier stehen keine elektrischen Geräte, die ein so starkes EM - Feld haben, das man bemerkt. Selbst Sie könnten das nicht."
Jim zuckte mit den Schultern. "Keine Ahnung."
"Könnte uns das irgendwie weiterhelfen?"
"Nein. Dieses Feld scheint nur dort vorhanden zu sein, wo die Tat passierte. Außerhalb dieses Tresorraumes registriere ich nichts. Ich kann den Täter dadurch also nicht aufspüren. Aber ich habe noch etwas anderes bemerkt. So einen seltsamen süßlich – säuerlichen Geruch. Ich bemerkte ihn schon am ersten Tatort. Ich hielt es allerdings für nicht so wichtig, weil der Geruch ja von jedem hätte stammen können. Aber jetzt bin ich mir ziemlich sicher, daß diese Duftnote von dem Täter hinterlassen wird. Ich glaube, damit kann ich ihn finden."

Blair schöpfte Hoffnung. "Versuchen wir’s."

Er ging mit Jim hinaus vor die Tür. Dabei wurden sie wieder von Mulder beobachtet, den dieses Verhalten doch etwas mißtrauisch machte. Was hatten die beiden denn vor ihm und Scully zu verbergen? Wieso unterhielten sie sich ständig untereinander außer Hörweite? Er konnte es ja verstehen, wenn sie nicht gerne mit dem FBI zusammenarbeiten, aber soviel Geheimniskrämerei hielt er dann doch für übertrieben. Es sei denn, sie wollten wirklich etwas vor ihnen geheimhalten. Und das war nur zu offensichtlich.

~~~~~~~~~~

 

"Und, bemerken Sie den Geruch noch?", wollte Blair wissen.

"Ja. Wir haben echt Glück gehabt, daß es heute relativ windstill ist, und der Überfall erst vor kurzem geschah. Sonst hätte mir das nicht viel genutzt. Sagen Sie den anderen Bescheid, daß wir jetzt diese Typen suchen werden. Ich lasse solange schon mal den Wagen an. Und sie sollen mit uns Kontakt halten."
"Und was denken Sie, soll ich denen sagen, wenn die wissen wollen, woher wir wissen, wohin wir fahren müssen?"
Jim setzte seine Baseballkappe wieder auf und wandte sich zum Gehen. "Denken Sie sich was aus, Häuptling."
"Denken Sie sich was aus, Häuptling."; äffte Sandburg Jim nach, als dieser im Wagen verschwunden war. "Hey, Dana.", rief er sie.
"Ja?"
"Jim hat eine Spur, die uns zu dem Täter führen könnte. Er ist schon im Wagen. Sie sollen uns folgen, und Kontakt halten über Funk."
"Und was genau ist diese Spur, der er nachgeht?"
"Sagen wir einfach: Instinkt."
"Instinkt. Aha."

 

VII

 

 

Ausnahmsweise fuhr dieses Mal Blair den Wagen. Jim saß auf dem Beifahrersitz und konzentrierte sich voll und ganz auf diesen Geruch. Hier im Straßenverkehr war es schwer, nur einem Duft zu folgen. Jim tat sein Bestes, um diesen süßlichen Duft aus den Abgasdüften zu filtern. Doch jetzt tauchte ein roter Jeep ohne jegliches amtliches Kennzeichen vor ihnen auf. Er konnte die Geldkoffer auf dem Rücksitz erkennen.

"Da vorne ist er.", funkte er an Mulder. "Er fährt in dem roten Jeep ohne Kennzeichen."
"Ja, ich kann ihn jetzt auch sehen.", antwortete er.
"Irgendwelche Vorschläge?"
"Ja. Wir sollten uns jetzt trennen. Sie verfolgen ihn weiter, und versuchen ihn zu stoppen, während Scully und ich einen anderen Weg nehmen, und die ganze Sache unbemerkt beobachten. Ich weiß nicht, wozu der Typ imstande ist. Es könnte sein, daß er Sie auch dazu bringt, etwas zu tun, was die ganze Sache gefährden könnte. Allerdings rechnet er nicht mit uns. Wir würden ihn dann aus dem Hinterhalt aufhalten können, bevor er uns auch nur irgendwie kontrollieren könnte.""Okay, machen wir’s so."

~~~~~~~~~~

 

Auf einem verlassenen Parkplatz nahe eines Hochhauses konnte Jim den roten Jeep zum Stehen bringen.

Er bedeutete Blair, sitzen zu bleiben und stieg aus seinem Wagen. Mit der gezogenen Waffe in einer Hand, und seiner Polizeimarke in der anderen, bewegte er sich auf den Jeep zu. Nachdem er die Waffe entsichert hatte, rief er: "Cascade Police! Raus aus dem Wagen!"

In aller Ruhe stieg der Mann aus dem Wagen. Er war nur circa 1,70m groß und war aber ziemlich gut in Form. Jim schätzte ihn auf etwa Anfang 30. Er hatte stahlblaue Augen und seine braunen lockigen Haare waren kurz geschnitten.

"Legen Sie die Hände auf das Dach und machen Sie die Beine breit!"
Jim wollte ihn gerade nach Waffen abtasten, doch dazu kam es nicht mehr. Er fühlte sich plötzlich etwas benommen, so als ob er etwas zuviel getrunken hätte. Ohne zu wissen, warum, drehte er sich um, und richtete die Waffe auf Blair, der immer noch im Wagen saß. Dieser konnte nicht so recht glauben, was er da sah.

"Steigen Sie aus dem Wagen!", hörte er Jim sagen. Doch seine Stimme klang anders. Irgendwie fremd. Kalt. Metallisch und gefühllos. Immer noch verwirrt, stieg er aus dem Wagen.

"Nehmen Sie die Hände hoch!"

Blair versuchte aufgeregt, Jim zur Vernunft zu bringen. "Jim! Was ist mit Ihnen los?!"
"Halten Sie die Klappe, klar?"

"Jimmy! Ich bin’s doch! Sandburg! Erkennen Sie mich nicht mehr?!"
"Ich sagte doch, daß Sie Ihre Klappe halten sollen!"

Blair versuchte langsam auf Jim zuzugehen. Was war nur mit ihm los? Konnte dieser Typ am Ende doch die Taten anderer Leute kontrollieren? Und wenn ja, was sollte er jetzt machen? Er sah, wie dieser Gangster sich gerade aus dem Staub machen wollte. Hoffentlich waren Mulder und Scully schon da, damit sie ihn wenigstens verfolgen konnten. Aber was sollte er jetzt tun, um Jim wieder zur Vernunft zu bringen?
"Hey, bleiben Sie stehen, oder ich schieße!"
Sandburg sah, wie sich Jims Finger um den Abzug krümmten. Ihm kam das alles wie in Zeitlupe vor. Ganz langsam schien er den Abzug durchzudrücken, bis ganz hinter. Dann hörte er einen Schuß. Gleichzeitig zuckte Blair zusammen. Doch er war nicht getroffen. Ellison hatte nur einen Warnschuß abgegeben. Etwas erleichtert richtete er sich wieder auf. Jetzt schien es Jim allerdings Ernst zu sein.
"Ich sagte, stehen bleiben! Oder es bleibt nicht bei einem Warnschuß! Das nächste Mal treffe ich ganz sicher!"
Daran hatte Sandburg keinen Zweifel. Er blieb stehen, und versuchte es wieder mit reden.
"Jim..." Weiter kam er nicht. Ein Blick in Jims versteinertes Gesicht genügte, und Blair wußte, daß er jetzt schießen würde. Wieder sah er in Zeitlupe, wie sich Ellisons Finger um den Abzug krümmten. Doch dann geschah etwas unerwartetes. Vor seinen Augen sackte Jim plötzlich zusammen. Bewußtlos lag er vor Blair auf dem Boden.

"Jim! Mein Gott Jim!"

Er fühlte seinen Puls. Zum Glück war dieser normal. Auch die Atmung war noch okay. Anscheinend war das alles nur zuviel für seine hypersensiblen Sinne gewesen und dadurch wird er ohnmächtig geworden sein.

"Jim! Kommen Sie! Wachen Sie auf!" Blair hatte sich über Jim gebeugt und versuchte ihn durch leichtes Schütteln an den Schultern wieder wach zu bekommen. Dann öffnete er die Augen.

"Häuptling... Was..."

"Später Jim, später." Sichtlich erleichtert half Blair ihm sich aufzurichten. Bei den ersten Schritten fühlte Jim sich noch etwas benommen, und mußte sich auf Blair stützen, um nicht umzufallen. Doch dann schaffte er es alleine. Sie gingen zum Auto und Jim ließ sich auf dem Beifahrersitz nieder.

"Der Bankräuber! Wo ist er?", fragte er. Plötzlich war ihm wieder eingefallen, daß sie dabei waren, diesen Gangster zu schnappen. Doch was passierte dann?
"Er ist weg, aber Mulder und Scully sind hinter ihm her."

"Wir müssen sie finden!"
"Jim! Sie sollten sich erst einmal erholen."

Aber kaum hatte Sandburg dies gesagt, war Jim auch schon aufgesprungen.

"Der Wagen ist noch da. Blair, haben Sie gesehen, wo er hin ist?"
"Dort rüber ist er gerannt.", antwortete er und zeigte in Richtung Hochhaus. "Nach links."
"Na dann los!"

~~~~~~~~~~

 

Mulder und Scully hockten hinter dem Gebüsch und beobachteten alles, was vor sich ging. Zuerst schien alles glatt zu laufen. Der Mann stieg aus dem Wagen, und machte auch weiter keine Probleme. Doch dann ging irgend etwas schief. Sie sahen, wie Jim die Waffe plötzlich auf Blair richtete. Gerade als sie eingreifen wollten, bemerkten sie, wie der Mann zu flüchten versucht. Er rannte in ihre Richtung. Mit einem Blick gab Mulder Scully zu verstehen, daß die hier warten würden, bis der Typ ganz in ihrer Nähe sein würde. Schließlich gab es nur einen Weg, und der würde ihn direkt zu ihnen bringen. Sie sahen, wie der Gangster auf sie zu rannte, als sie einen Schuß hörten. Keiner von den beiden wußte, was da passiert war. Aber das mußte jetzt warten. Mit gezogener Waffe stellten sie sich dem flüchtenden Ganoven in den Weg.
"Stehen bleiben!", riefen sie beide.

Doch sie wurden ignoriert. Er rannte einfach weiter.

"Bleiben Sie stehen, oder ich muß schießen!", warnte ihn Scully.

Als er jedoch immer noch weiter rannte, entsicherte sie ihre Waffe. Sie zielte auf diesen Kerl - und schoß. Bewußtlos sank dieser zu Boden.

Mulder ging auf ihn zu, und legte ihm die Handschellen an, während Scully seinen Puls fühlte.

"Er ist tot, Mulder. Sie können sich die Handschellen sparen."

Plötzlich hörten sie einen Schuß. Erschrocken zuckten sie zusammen, und sahen hinter sich – die Richtung aus welcher der Schuß kam. Dort entdeckten sie Detective Jim Ellison und seinen Assistenten Sandburg, die auf sie zueilten. Als sie wieder nach vorne blickten, sahen sie das Ziel. Ein Scharfschütze, der sich auf dem Dach des Hochhauses befand. Getroffen sank dieser zusammen, und stürzte über die Brüstung dem Hochhaus hinunter.

"Wie konnten Sie den sehen, und vor allem treffen?", wollte Mulder erstaunt wissen.

"Ich war früher Scharfschütze bei der Armee."
"Aber trotzdem können Sie doch nicht mit einer normalen Pistole so genau zielen. Ohne Zielfernrohr."
"Tja, ich denke, daß bleibt mein Geheimnis."

Lächelnd kam Sandburg auf die beiden zu. "Kommen Sie. Das Police Departement ist verständigt. Sie müßten jeden Moment hier sein. Simon will, daß wir ihm ausführlich Bericht erstatten."

VIII

 

 

"Was war passiert?", wollte Jim von Blair wissen.

"Sie werden es mir ja sowieso nicht glauben."
"Was?"
"Anscheinend hatte dieser Kerl die Kontrolle über Sie. Er brachte Sie dazu, die Waffe auf mich zu richten. Verdammt , Jim! Ich dachte wirklich, sie würden mich erschießen! Einen Warnschuß hatten Sie schon abgegeben. Und kurz bevor Sie das zweite Mal abdrücken wollten, fielen Sie plötzlich in Ohnmacht. Ich denke, die Ohnmacht wurde durch die Reizüberflutung ausgelöst. Ihre Sinne haben wahrscheinlich verrückt gespielt."

"Das glaube ich einfach nicht! Nicht, daß ich an Ihren Worten zweifeln würde, aber ich kann mir das einfach nicht vorstellen. Ich meine, ich kann mich an gar nichts erinnern. Niemals würde ich auch nur daran denken, eine Waffe auf Sie zu richten."
"Ich hatte wirklich Angst, Jim. Sie waren einfach nicht Sie selbst. Sie waren wie hypnotisiert."

Jim ging auf Blair zu. Er nahm ihn in seine Arme und versuchte, ihn zu beruhigen. "Ist ja gut, Häuptling. Es ist ja vorbei."

~~~~~~~~~~

 

Am Abend trafen sich Jim und Blair noch ein letztes Mal mit den beiden FBI – Agenten zum Essen, bevor diese zurück nach Washington, D.C. fliegen mußten.

"Tja, ich denke das ist wohl nun das Ende unserer Zusammenarbeit", begann Jim das Gespräch.

"Sieht wohl so aus.", antwortete ihm Fox. "Ich habe da nur etwas zu klären. Ich weiß, was Sie sind."
"Ach ja?" Jim bemerkte, wie Scully bei diesem Satz die Augen verdrehte, und hilfesuchend zur Decke starrte
"Ja. Ein Sentinel."
Bei diesen Worten mußte Jim grinsen, und ein Blick zu Sandburg zeigte ihm, daß es auch ihm nicht anders ging. "Ein was?!"

"Ich habe darüber gelesen. Es soll Menschen geben, deren Sinne weiter entwickelt sind, als bei anderen Menschen. Ich denke, daß Sie so jemand sind. Nur so konnten Sie erkennen, daß in dem roten Jeep der gesuchte Bankräuber fährt. Ich meine, nur das Fehlen eines Nummernschildes weist noch lange nicht auf einen Gangster hin. Ich denke, sie haben die Geldkoffer gesehen. Und nur so konnten Sie den Heckenschützen entdecken und erledigen. Es ist auch die einzige Erklärung dafür, wie Sie ihn überhaupt finden konnten."

"Denken Sie, was Sie wollen. Aber ich kann es Ihnen erklären: 1. Mit einem Fernglas habe ich den gesuchten Kerl im Jeep erkannt. 2. Mit dem eben besagten Fernglas habe ich den Heckenschützen entdeckt und erledigen können. 3. Sein Wagen verlor Öl. Und dieser Spur bin ich nachgegangen. Zufrieden?"

Scully schaute ihren Partner mit einem Blick an, der ungefähr ausdrückte: ‚Ich hab’s doch gewußt‘. "Ich sagte Ihnen doch, daß es Blödsinn ist, Mulder."

"Detective, Sie glauben doch nicht, dass ich Ihnen das abnehme? Wenigstens die Ölspur hätte ich ja wohl auch noch bemerkt, nicht wahr?"

Scully gab es auf. "Das reicht. Kommen Sie Mulder. Unser Flugzeug wartet."

"Tja, und wann werde ich Sie wiedersehen?", wandte sich Blair an Dana.

"Wenn ich wieder hier in der Nähe bin, komme ich mal vorbei. Ich habe ja Ihre Nummer."
"Oder ich komme mal nach D.C. Ich weiß ja, wo Sie arbeiten."
"Tun Sie das. Wir müssen jetzt gehen, wenn wir unser Flugzeug noch kriegen wollen. Ciao."
"Ja, Tschüs.", verabschiedete Blair Dana. Beim Vorbeigehen gab sie ihm noch einen Kuß auf die Wange. Sie wurde dabei argwöhnisch von Mulder beobachtet. Dieser verabschiedete sich nur mit einer Handbewegung von Jim und Blair. Dann half er Scully in den Mantel und die beiden FBI – Agenten verschwanden durch die Tür. Blair sah Scully noch etwas nach, bevor er sich wieder Jim und dem Essen widmete.

"Tja, das waren ja zwei Verrückte.", stellte Jim fest.

"Zumindestens was diesen Mulder angeht. Ich mußte mich echt zusammenreißen, als er vorhin von dieser Sentinel – Sache sprach."

"Was denken Sie denn, wie es mir ging. Demnächst kommt der an und betrachtet mich noch als X – Akte."
"Zuzutrauen wäre es ihm. Aber dann werde ich mich wohl einschließen müssen. Denn wenn ich das nicht tun würde, würde ich wohl an einem Lachkrampf sterben, sobald ich diesen Agenten sehen würde."
Mit betont leiser ruhiger Stimme warnte ihn Jim. "Sandburg..."

Mit breitem Grinsen fuhr Sandburg fort. "Ich stelle mir gerade vor, wie dieser Mulder Sie als Versuchskaninchen betrachtet, und Sie an irgendwelche Elektroden anschließt, oder ihre Schmerzgrenze testet."

"Sandburg... Es reicht."

"Wie Sie meinen. Aber es ist trotzdem lustig."

Dafür fing er sich nur noch einen wütenden Blick von Jim ein.

"Okay, okay. Ich bin ja schon ruhig."

~~~~~~~~~~

-ENDE-

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