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The Sentinel
-- In the middle of Nowhere --
by Franziska
(April/May 2000)
20:48 Uhr. Zeit, nach Hause zu gehen. Blair erhob sich seufzend aus seinem Stuhl. Es war heute ein langer Tag gewesen, und er wollte nur noch nach Hause, ein schönes warmes Bad nehmen, und die Entspannungsmusik laufen lassen. Heute abend würde auf lange Zeit das letzte Mal sein, dass er die Musik so laut hören konnte, wie er wollte. Jim würde erst irgendwann am morgigen Tag aus Kanada zurückkommen. Er hatte sich ein paar Tage Urlaub genommen – alleine – um mal auszuspannen. Allein die Tatsache, dass er plante, mit einem Hubschrauber dorthin zu fliegen – der Ort lag recht abgelegen in den Bergen – hatte Blair davon abgehalten, mitzugehen. Er packte noch schnell seine Bücher in den Rucksack und ging in Richtung Tür. Gerade wollte er sie öffnen, als jemand anklopfte. Wer könnte das denn jetzt noch sein? Mit einem fragenden Blick öffnete er die Tür – und stand vor Simon Banks.
"Simon? Was machen Sie denn hier?", begrüßte er diesen leicht irritiert. Als Simon die Begrüßung nicht wie gewohnt mit eine Spitze erwiderte, überkam ihn eine schreckliche Vorahnung. Jim. Es musste etwas mit Jim passiert sein. "Es ist etwas mit Jim, nicht wahr? Ist er noch am Leben?" Zum ersten Mal an dem heutigen Abend blickte Blair direkt in das Gesicht seines Gegenübers, und er hatte das Gefühl, sein Herz würde stehen bleiben. Die Augen des Captains waren voll von Sorge, die Stirn in Falten gelegt.
"Wir wissen es nicht, Blair. Heute abend wollte Jim mit dem Hubschrauber zur nächstgrößeren Stadt fliegen, um von dort aus morgen früh mit seinem Auto nach Cascade zu fahren. Aber der Hubschrauber kam dort nie an. In dem einen Moment war er noch auf dem Radar, und im nächsten Moment war er verschwunden. Der Pilot hatte auch keine Probleme gemeldet."
Blair bekam plötzlich weiche Knie. Er musste sich jetzt setzen. Fassungslos schaute er Simon an. Ihm war klar, dass so etwas eines Tages passieren würde. Aber nicht so, nicht im Urlaub. Das war irgendwie nicht richtig. Beruhige Dich, Blair. Bisher gilt er nur als vermisst, nicht als –. Er konnte dieses unglaubliche Wort nicht einmal mehr denken.
"Ist alles okay, Blair?" Erschrocken sah der Student auf. Er hatte ganz vergessen, dass Simon noch hier war.
"Ja. Nein. Simon, wieso suchen sie denn nicht nach Jim und den Piloten?"
"Der Hubschrauber war das letzte Mal auf dem Radar, als er sich mitten über dem Wald befand. Und im Moment regnet es dort oben so stark, dass selbst am Tag die Sicht sehr stark behindert wäre. In der Nacht besteht keine Chance, im Wald auch nur irgendetwas zu finden. Der Sturm hat in den letzten fünfzehn Minuten so an Stärke zugenommen, dass es für die Hubschrauber zu gefährlich ist, das Gebiet zu überfliegen. Und aufgrund des Regens und der Bäume wäre es auch ziemlich unwahrscheinlich, dass man etwas findet. Wir müssen abwarten. Wenigstens solange, bis sich der Sturm gelegt hat."
"Aber das kann noch Stunden dauern! Wir wissen nicht was passiert ist! Jim ist sicher verletzt und braucht Hilfe. In ein paar Stunden könnte es zu spät sein. Wir müssen doch etwas tun!" Den letzten Satz hatte Blair fast herausgeschrieen. Simon packte ihn fest an den Schultern und brachte Blair damit dazu ihm in die Augen zu sehen. "Sandburg – Blair – jetzt hören Sie mir doch mal zu! Wir können nichts tun. Nicht im Moment. Vielleicht haben Sie nur eine Notlandung gemacht, und warten jetzt besseres Wetter ab."
"Und wieso sollte der Pilot das nicht gemeldet haben, Simon? Können Sie mir diese Frage beantworten?!"
"Vielleicht... vielleicht ist der Funkkontakt abgebrochen."
"Ja. Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht. Sie wissen doch selbst, das an dem nicht so ist."
Simon musste Blair jetzt irgendwie beruhigen. Sie konnten jetzt nichts tun, und es wäre besser für beide, wenn sie etwas Schlaf bekommen würden. Der nächste Tag würde noch lang genug werden. Zögernd legte er seinen Arm um Blairs Schultern. "Kommen Sie, ich bringe sie nach Hause."
"Ja, okay."
Während der Fahrt zur 852 Prospect Avenue hatte Blair kein Wort gesprochen. Er hatte einfach nur da gesessen und auf die Straße gestarrt.
"Blair, wir sind da."
Er zuckte erschrocken zusammen, als diese vier Worte die Stille durchbrachen. "Hmm? Ach so, ja. Lassen Sie mir noch etwas Zeit, okay?" Ein paar Minuten lang saß er in dem Auto und betrachtete die ihm inzwischen sehr vertraut gewordene Wohnung. Schließlich nahm er sich zusammen, und stieg aus dem Auto aus.
"Möchten Sie, dass ich Sie noch mit nach oben begleite?" Simons warme Stimme erklang hinter ihm.
"Nein. Danke. Ich schaffe das schon."
"Wie Sie meinen. Rufen Sie mich an, wenn Sie Hilfe brauchen."
"Okay. Gute Nacht."
"Versuchen Sie etwas zu schlafen."
Kurze Zeit später stand Blair vor der Wohnungstür. Seine Hand zitterte so, dass er einige Probleme hatte, die Tür aufzuschließen. Nach einigen Versuchen schaffte er es dann doch. Obwohl sein Verstand ihm etwas anderes sagte, hoffte er, dass Jim vielleicht auf der Couch oder in der Küche auf ihn warten würde. Aber die Wohnung war wie erwartet leer, auch Jims Bett war noch unangetastet. Es war schon seltsam. Noch eine Stunde zuvor hatte sich Blair darauf gefreut, im Loft alleine sein zu können, aber jetzt, jetzt kam es ihm einsam und trostlos vor ohne Jim. Obwohl ihm nach Weinen zumute war konnte er es nicht. Er dachte, wenn er jetzt Heulen würde, dann würde er Jim endgültig abschreiben. Nein, solange er noch nicht wusste, wie es seinem Freund ging, konnte er nicht Weinen. Müde und erschöpft ließ er sich auf der Couch nieder und schlief sofort ein.
~~~~~
Dunkelheit. Kälte. Nässe. Langsam kam Jim wieder zu sich. Oh Mann. Was ist passiert? Als er die Augen öffnete, und auf das dichte Blätterdach der Bäume sah, fiel es ihm wieder ein. Der Sturm. Der Hubschrauber. Der Absturz. Die Explosion. Aber was danach passiert war, wusste er nicht mehr. Er konnte sich ja noch nicht einmal daran erinnern, wie er hier hergekommen war. Wie lange liege ich jetzt schon hier? Er versuchte, sich aufzusetzen, aber sofort durchzog ein stechender Schmerz seinen ganzen Körper. Das war keine gute Idee. Er startete einen neuen Versuch – jetzt aber etwas langsamerer und vorsichtiger. Diesmal schaffte er es, seinen Oberkörper aufzurichten. Sofort wurde er sich einem quälenden Kopfschmerz und einem Schwindelgefühl bewusst. Als nächstes versuchte er, seine Beine zu bewegen. Whoa, das war auch nicht so gut. Es sah so aus, als ob sein rechtes Bein gebrochen war – er würde sich also nicht von hier fort bewegen können. Es war ihm ein Rätsel, wie er es in diesem Zustand überhaupt geschafft hatte, aus dem Hubschrauber zu entkommen, bevor dieser in die Luft flog. Was nun? Er beschloss, seine Sinne einem Test zu unterziehen. Sicht – war anscheinend in Ordnung. Gehör war auch okay – in der Ferne hörte er den Flügelschlag eines Vogels. Gefühl und Tastsinn waren mehr intakt als ihm lieb war. Geruch war auch klar – er konnte das verbrannte Fleisch des Piloten riechen, ein Geruch, den man nie wieder vergisst. Der Pilot war anscheinend beim Aufprall gestorben, sonst hätte Jim ihn wohl mit rausgeholt. Geschmack wollte er hier nicht testen – er brauchte nicht auch noch eine Vergiftung durch irgendwelche Pflanzen. Wie es aussah, hatte er alles ganz gut überstanden – von ein paar Knochenbrüchen, ziemlich tiefen Schnittwunden und wahrscheinlich einer Gehirnerschütterung mal abgesehen. Die Frage war nur, wie er die Nacht überstehen sollte. Ohne Zweifel würde ihn hier heute Nacht kein Suchteam finden, und wenn es noch so gut war. Außerdem war es kalt, es stürmte und regnete in Strömen – nicht gerade die idealsten Bedingungen für eine Nacht im Freien.
Zum ersten Mal nach dem Sturz sah er an sich herunter. Seine Klamotten waren teilweise blutgetränkt, obwohl die Schnittwunden inzwischen aufgehört hatten, zu bluten. Allerdings blutete sein Bein noch ziemlich stark. Wenn er hier nicht wegen zu hohem Blutverlust ohnmächtig werden wollte, musste er es irgendwie abbinden. Er entschloss sich dazu, sein Hemd dafür zu gebrauchen. Dann würde er zwar nur noch in seinem Unterhemd dasitzen, aber seine Kleidung war so von Regen durchnässt, dass sie ihm im Moment sowieso keinen Schutz vor der Kälte bieten konnte. Als er mit dem Hemd sein verletztes Bein abband, musste er sich auf die Unterlippe beißen, um nicht laut aufzuschreien. Aus irgendeinem Grund wollte er im Moment seine eigene Stimme nicht hören. Es würde für ihn wie ein Einbruch in die nächtliche Stille dieses Waldes vorkommen. Er wusste nicht, wieso er so empfand, aber er wollte die friedliche Ruhe nicht stören. Denn obwohl es regnete, kam es ihm hier völlig ruhig vor im Vergleich zum Stadtleben. Und was jetzt, Ellison? Er schaute sich um, und sah hinter sich nicht weit entfernt einen großen, stämmigen Baum stehen. Gut. Wenn ich es bis dahin schaffe, könnte ich die Nacht darunter verbringen. Das dichte Blätterdach wird mich weitesgehend vorm Regen schützen. Langsam und vorsichtig rückte er dem Baum immer näher. Als er es dann schließlich geschafft hatte, lehnte er seinen Rücken mit einem erleichterten Seufzer gegen den dicken Stamm und wartete auf den Sonnenaufgang und die damit nahende Rettung.
~~~~~
"JIM!" Blair schreckte aus einem furchtbaren Alptraum hoch Jim. Ein Blick auf die Uhr sagte ihm: 23:05 Uhr. Er hatte Jim gesehen – in einem Wald von Blättern überdeckt. Er wollte ihn retten, aber er kam zu spät. Nichts konnte er mehr für den Sentinel tun. Nein. Das darf nicht passieren. Aber noch etwas anderes seltsames war passiert. Auf einmal wusste er ganz genau, wo er Jim finden würde. Woher er dass wusste, war ihm ein Rätsel, aber Blair musste sofort dorthin. Zuerst dachte er daran, Simon Bescheid zu sagen, aber dann überlegte er sich anders. Simon würde ihn wahrscheinlich solange beschwatzen, bis er doch noch die Wetterbesserung abwarten würde – und das Resultat des Suchtrupps. Nein. Das konnte er nicht riskieren. Jim wurde seit nunmehr über zwei Stunden vermisst. Verschollen mitten im Nirgendwo. Nein. Er könnte Simon dann immer noch anrufen, wenn er die kanadische Grenze hinter sich gelassen hatte. Er nahm seinen Rucksack, und überlegte, was er wohl brauchen würde, sollte er Jim finden. Zunächst einmal würde er genügend Ration benötigen – genug für beide, um im Notfall die Nacht durchzustehen. Verbandszeug würde er im Notfall auch brauchen. Als Desinfektionsmittel müsste Alkohol – genauer gesagt Whisky – genügen. Ein paar Decken und ein paar von Jims Pullovern und Jims Regenjacke packte er auch noch ein. Er hinterließ noch eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter und verließ dann das Loft. Jetzt war er froh, dass er seinen Volvo circa zwei Wochen vorher aufgetuned hatte. So konnte er es bis dorthin, wo Jim seiner Meinung nach war, in gut zwei Stunden schaffen. Er hoffte, dass sein Freund solange durchhalten würde.
~~~~~
Blair. Das war sein erster Gedanke, nachdem er wieder einigermaßen klar denken konnte. Blair würde sich ganz bestimmt große Sorgen machen. Hoffentlich gab Simon genug auf ihn Acht, so dass er keine Dummheiten machen würde. Jetzt wurde ihm auch bewusst, dass er am ganzen Körper zitterte. Aber nicht nur vor Kälte. Sicher trug auch der Blutverlust zu seinem Zittern bei. Inzwischen bereute er es, sein Hemd ausgezogen zu haben. Es war zwar durchnässt, aber selbst so bot es noch einen gewissen Schutz vor der Kälte. Er versuchte, sich in Bewegung zu halten, indem er immer mal mit den Armen ruderte, oder Dehnübungen machte. Das hatte nicht nur den Grund, dass er warm bleiben wollte, sondern auch, dass er nicht einschlafen oder ohnmächtig werden wollte. Die sich nähernden Wölfe hatte er schon gehört, sie wurden zweifelsohne von dem süßlichen Geruch seines Blutes angelockt. In dieser Jahreszeit gab es glücklicherweise noch genug Wild für sie zu reißen, sie würden ihn also nur angreifen, wenn er nicht mehr bei Bewusstsein war. Nicht, solange er noch wach war.
Plötzlich überkam ihn ein merkwürdiges Gefühl. Als wäre Sandburg in der Nähe. Angestrengt hörte er auf alles, was sich in seiner Hörweite so abspielte, aber er konnte kein Anzeichen dafür erkennen, dass sein Partner wirklich hier war. Trotzdem war das Gefühl da. Es war nicht nur so ein flüchtiges Aufflackern, nein, es war stärker – und es ließ ihm keine Ruhe.
Er konzentrierte sich noch mehr auf die Geräusche in diesem Wald und stellte den "Regler" für sein Gehör auf Maximum. Moment, was war das? Dieses Mal hörte er wirklich etwas. Schritte. Und einen Herzschlag. Blair. Es war eindeutig der Herzschlag seines Freundes. Er war also doch hier. Aber was machte er hier? Und vor allem, wie hatte er ihn gefunden?
"Häuptling?" Ihm war erst jetzt wieder bewusst geworden, dass Blair ja kein Sentinel war, und ihn somit nicht so leicht hören konnte, wie Jim ihn. "Blair?!" Keine Antwort. Er versuchte es nochmals, diesmal etwas lauter als zuvor. "Sandburg! Ich bin hier!" Diesmal schien der Junge ihn gehört zu haben.
"Jim! Ich bin auf den Weg. Einen Moment, ja?"
Circa eine Minute später konnte Jim Blair auf ihn zukommen sehen. Er war völlig außer Atem, und sein Gesicht war von Sorgen und einer schlaflosen Nacht gezeichnet.
"Oh Gott, Jim. Ich bin ja so erleichtert, dass ich Sie gefunden habe. Wie geht es Ihnen?"
"Blair. Sie glauben ja gar nicht, wie froh ich bin, sie hier zu sehen."
Jims Stimme war verzerrt vor Schmerzen. Wie schwer ist er verletzt? Blair leuchtete mit der Taschenlampe auf Jim. Er sah furchtbar aus. Seine Sachen waren blutüberströmt, und er war bleich. Blut. Schlagartig überkam ihm ein Gefühl der Übelkeit. Er atmete tief durch, um gegen den Brechreiz anzukämpfen. Reiß Dich zusammen, Sandburg. Jim braucht Dich jetzt. An Jims Körper konnte Blair zahlreiche Schnittwunden erkennen, aber es sah so aus, als hätte der Großteil der Schnitte aufgehört, zu bluten. Außerdem zitterte Jim am ganzen Körper und ein Blick auf das Bein seines Freundes sagte Blair, dass sie es wohl kaum zu seinem Wagen am Rande des Waldes schaffen würden. Er konnte Jim ja schlecht 3 Kilometer weit durch den Wald zerren. Das beste war wohl, wenn er Jim jetzt erst mal so gut es ging versorgen würde, und dann Simon Bescheid sagen würde, wo sie waren.
"Jim. Hier, ich habe Ihnen ein paar Decken mitgebracht. Wärmen Sie sich erst mal auf." Blair breitete die Decken über den zitternden Oberkörper seines Partners aus.
Er beugte sich ein wenig über Jim, und versuchte, ihn durch Rubbeln etwas aufzuwärmen.
"Danke. Ich werde langsam warm, Häuptling."
"Jim, was ist eigentlich passiert?"
"Ich habe keine Ahnung. Auf dem Rückflug war es ziemlich stürmisch, und ich weiß noch, wie der Hubschrauber runter ging, und dann weiß ich nur noch, wie ich hier wieder zu mir kam. Wie ich es bis hierher geschafft habe? Keine Ahnung."
"Vielleicht fällt es Ihnen ja wieder ein. Ich kümmere mich um Ihr Bein, okay?"
"Ja. Okay."
Blair kniete sich hin, und holte die Flasche Whisky aus dem Rucksack.
"Hey, was machen Sie mit dem 15jährigen Scotch? Der war teuer."
"Ja, und jetzt wird er Sie vor einer Blutvergiftung retten. Ich muss die Wunde an Ihrem Bein desinfizieren. Beißen Sie die Zähne zusammen, es könnte wehtun." Nachdem er das Hosenbein aufgeschnitten hatte, fing er an, den Alkohol langsam über das verletzte Bein laufen zu lassen. Von seinem Freund hörte er nur ein gedämpftes "Arrgh". Der Whisky spülte den Dreck und das Blut weg, so dass Blair die Ursache für die Blutung sehen konnte. Wie befürchtet, hatten sich ein paar Knochensplitter durch die Haut gebohrt.
"Sieht ziemlich übel aus, Jim."
"So fühlt es sich auch an."
Er versuchte, die aufkommende Übelkeit zu unterdrücken, und fing jetzt an, das Bein zu verbinden. In der Nähe fand er zwei starke Holzstückchen, mit denen er die Knochen stabilisieren konnte.
"Jim, es könnte jetzt noch einmal schmerzhaft sein."
"Schlimmer kann es nicht mehr werden."
Blair machte den Verband so fest wie es ging, und diesmal war es an Jim, gegen den Brechreiz und Bewusstlosigkeit anzukämpfen.
"Wollen Sie mich umbringen, Häuptling?"
"Ist ja schon vorbei. Frieren Sie noch?"
"Nein. Es geht schon. Jetzt aber raus mit der Sprache: Wie haben Sie mich gefunden?" Er hatte sich diese Frage gestellt, seit Blair hier aufgetaucht war. Aber der Junge hatte ihm nicht besonders viel Zeit für Fragen gelassen.
"Ich weiß, es klingt seltsam, aber ich bin letzte Nacht aus einem furchtbaren Traum hochgeschreckt. Ich sah Sie – tot – und mir war so, als hätten Sie meinen Namen gerufen. Und plötzlich wusste ich, wo ich Sie finden würde. Da musste ich einfach los, und Sie suchen."
"Weiß Simon Bescheid?"
Bevor Blair antwortete, setzte er seinen Hundeblick auf. Damit hatte er es
bisher immer geschafft, Jim wieder zu beruhigen. Und Jim würde nicht gerade
glücklich über die Antwort auf seine Frage sein. "Nein."
"Was?!" Jim war hochgeschreckt, als er Blairs Antwort hörte, bereute diese Aktion aber gleich wieder, als sich verschiedene Stellen seines Körpers über die ruckartige Aktion beschwerten. "Das ist toll. Ich kann mir schon vorstellen, was er Ihnen für eine Standpauke halten wird.
"Ja, ich mir auch."
"Haben Sie ein Handy dabei, damit wir ihm wenigstens sagen können, wo
wir sind?"
"Ja klar. Ich rufe ihn sofort an."
Blair kramte in seinem Rucksack und holte schließlich sein Handy hervor. Er tippte die Nummer von Simons Privattelefon ein, und wartete auf das Klingelzeichen. Schon nach dem ersten Klingeln hörte er, wie am anderen Ende der Leitung der Hörer abgenommen wurde.
"Banks", bellte dieser in dem gewohnten Tonfall in den Hörer.
"Captain, hier ist Sandburg. Ich habe Jim gefunden."
"Sie haben was?!"
"Ich habe keine Zeit für Erklärungen, die Batterie ist fast leer. Könnten Sie uns einen Rettungshubschrauber schicken? Jim kann unmöglich bis zu meinen Wagen laufen."
"Wo sind Sie?"
"Circa 500 Meter von der Absturzstelle entfernt."
"Laut dem Wetterdienst ist die Schlechtwetterfront in einer Stunde über das Gebiet gezogen. Das heißt, der Hubschrauber kann in circa 90 Minuten bei Ihnen sein. Reicht das?"
"Ja."
"Wie geht es Jim?"
"Sein rechtes Bein sieht ziemlich übel aus, aber soweit ich es einschätzen kann, ist er nicht lebensgefährlich verletzt."
"Schön zu hören."
"Beeilen Sie sich."
"Okay. Auf Wiedersehen."
Blair drückte die "End" – Taste auf seinem Telefon, und wandte sich wieder seinem Freund zu.
"Und, wann sind sie hier?" Jim hatte Mühe, die Augen offen zu halten, und er hoffte, dass bald Hilfe eintreffen würde. Am liebsten würde er sich jetzt gleich der Ohnmacht hingeben, aber der Mediziner in ihm, sagte ihm, dass er wach bleiben musste.
"Sie sind in ungefähr anderthalb Stunden hier. Früher schaffen sie es nicht."
"Großartig."
"Wir halten das schon durch. Haben Sie große Schmerzen?"
"Mein Bein tut ziemlich weh."
"Drehen Sie den Schmerzregler etwas runter."
"Das habe ich schon versucht, aber ich kann mich einfach nicht konzentrieren."
"Okay. Sie kennen das inzwischen ja schon. Schließen Sie die Augen." Blair versuchte so sanft und beruhigend wie möglich zu reden. "Konzentrieren Sie sich jetzt bitte nur auf meine Stimme. Jetzt stellen Sie sich diesen Regler vor. Sehen Sie ihn?" Jim nickte leicht. "Okay. Drehen Sie ihn jetzt schrittweise ganz langsam runter. Im Moment steht er auf Position 10. Gehen Sie jetzt langsam runter auf 9 – 8 – 7 – 6 – 5 – 4 – 3 – 2 – 1. Gut. Sie können die Augen jetzt wieder öffnen. Wie ist es jetzt?"
Ein dankbares Lächeln huschte über Jims Gesicht. "Besser. Es ist jetzt auszuhalten."
Eine Zeitlang saßen sie jetzt schweigend nebeneinander und blickten hinauf zum Himmel, als erwarteten sie den Hubschrauber jetzt schon. Als Blair einen kurzen Blick auf Jim warf, sah er, dass dieser die Augen geschlossen hatte.
"Jim! Sie dürfen jetzt nicht schlafen! Sie müssen wach bleiben!" Blair rüttelte seinen Partner sanft an den Schultern. Schwerfällig öffnete dieser die Augen.
"Nein. Ich bin so müde. Ich kann die Augen kaum offen halten."
"Kommen Sie! Singen Sie!"
"Was?"
"Singen." Blair holte tief Luft, und begann. "Row, row, row your boat." Mit einem auffordernden Blick bedeutete er Jim, mitzusingen. "Gently down the sea…"
"Blair, das ist albern."
"Nein. Sie müssen sich wach halten, und Singen ist die beste Methode."
"Das glauben Sie doch wohl selbst nicht?"
"Jetzt kommen Sie schon. Uns hört doch hier sowieso keiner. Also los: Row, row, your boat…"
Widerwillig stimmte Jim in den Gesang seines Guides mit ein. Der Junge hatte Recht. Er musste auf jeden Fall bei Bewusstsein bleiben, egal mit welcher Methode.
Nachdem sie das Lied etliche Male durch hatten – bei fünf hatte Jim aufgehört zu zählen – fühlte der Sentinel sich wieder wach genug, um wenigstens die nächsten dreißig Minuten durchzustehen.
"Jim, trinken Sie was, Mann." Blair hielt ihm eine Thermoskanne hin.
"Was ist da drin?"
"Schwacher Kräutertee. Zum Aufwärmen."
Dankbar nahm Jim die Kanne an, und goss sich etwas Tee ein. Mit einem Seufzer ließ er das wohltuende Getränk seine Kehle hinunterrinnen.
"Das tut gut. Und jetzt, erzählen Sie mir was Sie die ganze Zeit ohne mich gemacht haben. Ist das Loft überhaupt noch betretbar?"
"Naja. Aller Voraussicht halber werden Sie ja wohl ein paar Tage im Cascade Hospital verbringen müssen. Genug Zeit für mich, alles wieder in Ordnung zu bringen."
"Ich werde jeden Quadratzentimeter genau unter die Lupe nehmen."
"Als ob Sie eine Lupe brauchen würden", murmelte Blair. Obwohl er den Satz sehr leise gesprochen hatte, war er sich sicher, dass Jim ihn gehört hatte. Schweigend goss sich Blair jetzt selbst einen Tee ein, und warf einen kurzen Blick auf Jim. Er war noch blasser als vorhin – wenn das überhaupt möglich war – und auf seinem Gesicht hatten sich inzwischen Schweißperlen gebildet. Dieser Anblick versetzte Blair kurz in Panik, aber er beruhigte sich selbst mit dem Gedanken, dass Hilfe unterwegs war.
"Haben Sie auch ein paar Fische gefangen?", wollte er von Jim wissen.
"Ja. Sogar einen ziemlich Großen. Aber das Beweisfoto ist leider mit dem Hubschrauber in die Luft geflogen."
"Wie schade", antwortete Blair mit geheuchelter Anteilnahme. "Wie groß soll er denn gewesen sein?"
"Also mindestens...so groß." Jim hielt seine Hände im Abstand von ungefähr einen Meter auseinander.
"Ja, in Ihren Träumen."
"Sie werden...es mir wohl nie glauben!"
Blair merkte, wie Jim langsam aber sicher wieder in die Bewusstlosigkeit glitt. Verdammt. Du musst ihn wach halten. Er wusste, dass für den Sentinel die Stimme seines Guides so eine Art Anker war. Ein Anker in der Realität. Wenn er mit ihm sprach, würde Jim wach bleiben, solange er konnte.
"Jim. Sie wissen ja gar nicht, was während Ihrer Abwesenheit alles los war!."
"So, was denn?"
"Zunächst einmal hat Megan wieder Simons "freundliches" Wesen zu
spüren bekommen, als sie Ermittlungen auf eigene Faust unternahm. Mann, war der
sauer. Rafe und Brown haben mich einfach nicht in Ruhe gelassen. Die waren wohl
der Meinung, solange Sie nicht da sind, kosten sie es mal aus. So wurde ich das
ständige Opfer von Papierkügelchen – Attacken, komischen Dingen auf meinem
Schreibtisch, wie zum Beispiel eine grünliche Flüssigkeit, die sie als "außerirdisch"
anpriesen, und mich baten, mein anthropologisches Urteil darüber abzugeben. Es
stellte sich als Apfelsaft mit dicklicher blauer Farbe heraus. Dann rissen sie
ständig Witze über meine Haare, mein Outfit und die Tatsache, dass ich
keinerlei Verabredungen hatte, seit Sie weg waren..."
Jim hörte zufrieden dem Tonfall von Blairs Stimme zu. Obwohl er nicht wirklich zuhörte, was genau sein Freund eigentlich sagte, beruhigte ihn der Klang ungemein. Auf irgendeine seltsame Art und Weise konnten Blairs Stimme und Blairs Berührungen ihn von überaus her zurückholen. Egal, was es war. Er wusste, bei ihm war er sicher. Sandburg redete immer noch, von irgendwelchen heiligen Ritualen. Aber da war noch ein anderes Geräusch. Es war ihm bekannt – ein Hubschrauber. Es konnte nur der Rettungshubschrauber sein.
"Häuptling... die Rettung naht." Ja. Jetzt war er sicher. Endlich. Endlich konnte er sich der dankbaren Ohnmacht hingeben.
~~~~~
"Jim! Jim, wachen Sie auf, Mann."
Wo bin ich? Langsam kam er wieder zu Bewusstsein, und schon der Geruch verriet ihm, dass er in einem Krankenhaus war. Das nächste, was ihm bewusst wurde, war jemand an seiner Seite. Jemand, der seine Hand hielt. Blair. Zögernd öffnete er die Augen, und blickte direkt in die strahlend blauen Augen seines Freundes.
"Wie fühlen Sie sich, Jim?"
"Als wäre ich gegen eine Wand gefahren. Was haben die Ärzte gesagt?"
"Sie haben ein ziemlich übel zugerichtetes Bein, einige Knochensplitter haben sich durch die Haut gebohrt. Aber es kommt wieder vollkommen in Ordnung – vorausgesetzt Sie halten sich an die ärztlichen Verordnungen. Weiterhin eine Gehirnerschütterung, gebrochene Rippen, tiefe Schnittwunden."
"Wie lange war ich weg?"
"Drei Tage. Sie litten unter beträchtlichem Blutverlust und einer beginnenden Blutvergiftung. Sie haben mir eine ganz schöne Angst eingejagt, Jim. Aber jetzt haben Sie alles überstanden."
"Gut. Wann kann ich hier raus?" Er hasste Krankenhäuser, und blieb nie länger als nötig.
"Sie haben die Wahl. Entweder bleiben Sie zwei bis drei Wochen hier, oder Sie verlassen das Krankenhaus in drei bis vier Tagen in einem Rollstuhl, bis Sie den Gehgips kriegen."
"Toll. Sehe ich das richtig, dass ich jetzt zwei Monate im Loft verbringen muss?"
"Ja. Das hat der Arzt gesagt. Und ich werde aufpassen, dass Sie sich daran halten."
"Das befürchte ich auch." Jim schenkte Blair ein breites Lächeln. Der Junge hatte ihm wahrscheinlich das Leben gerettet. Wer weiß, was ohne ihn passiert wäre. Mehr als zuvor wusste er, was er an Blair hatte. Nicht nur einen guten Freund, nein es war mehr. Blair wusste, wo er war, und obwohl Jim eine Zeitlang in dem Wald alleine war, wusste er auch, dass Blair nach ihm suchte, dass Blair an ihn dachte. Es gab nur ein Wort, dass ihre Beziehung treffend beschreiben konnte: Seelenverwandtschaft.
"Blair, kennen Sie die Geschichte, dass früher immer zwei Menschen zusammengewachsen waren. Aber die Götter trennten sie wieder, und seitdem ist jeder auf der Suche, nach seinem Gegenpart. Manche haben das Glück, ihn zu finden. Und ich denke, ich kann mich dazu zählen."
Wow, so was Nettes hat er mir noch nie gesagt. "Danke." Zu mehr bin ich im Moment nicht fähig. In diesem Moment ließ Jim seine "Maske" fallen, und ich kann in seinen Augen erkennen, dass er es ernst meint. Am liebsten würde ich meinen Blick nie wieder von ihm wenden, am liebsten für immer in diesen blauen Augen versinken.
"Simon kommt."
"Was?" Diese plötzliche Unterbrechung riss mich vollkommen aus meinen Gedanken.
"Simon. Er ist auf dem Weg hierher. Hat er mit Ihnen schon gesprochen?"
"Ja. Natürlich. Er war aber viel zu besorgt um Sie, als dass er mich hätte ausschimpfen können."
"Ihr Glück."
Simon wollte gerade an die Tür zu Jims Krankenzimmer klopfen, als er eine bekannte Stimme von innen sagen hörte: "Kommen Sie rein, Simon." Er würde sich wohl nie daran gewöhnen, dass sein bester Detective – und Sentinel von Cascade – schon wusste, dass er vor der Tür stand, bevor er auch nur etwas sagen konnte. Aber es war gut zu wissen, dass Jim nach drei langen Tagen wieder bei Bewusstsein war. Mit einem Lächeln öffnete er die Tür.
"Guten Morgen, Jim. Sandburg."
"Hi, Captain."
"Jim, wie geht es Ihnen?"
"Ich werd's überleben. Auch wenn ich nicht weiß, was ich die nächsten zwei Monate machen soll."
"Wenn das so ist, ich habe da noch einen Haufen Papierkram, der erledigt werden muss..."
"Gut, schicken Sie’s zu Sandburg, er wird’s sicher sehr gerne erledigen."
"Wenn Sie gerade von ihm sprechen. Sandburg, ich glaube, ich muss mit Ihnen reden." Simon setzte den verärgertsten Gesichtsausdruck auf, den er im Moment hinkriegte.
"Oh, das habe ich befürchtet. Sollen wir raus gehen?"
"Nein. Ich denke, ich will mir das mit anhören." Jim saß aufmerksam in seinem Bett und blickte die beiden erwartungsvoll an.
"Das habe ich mir schon gedacht", antwortete Simon. "Jetzt zu Ihnen Sandburg. Es steht zwar außer Frage, dass Sie Jim vielleicht sogar das Leben gerettet haben, oder ihn zumindest vor Schlimmerem bewahrt haben, aber wenn Sie so etwas noch mal tun, dann werde ich Sie wohl als Punching – Ball benutzen müssen. Sie hätten mir Bescheid sagen müssen, und wenigstens ein Search and Rescue – Team anfordern müssen. Aber einfach so abhauen, noch einmal lasse ich das nicht zu. Verstanden?!" Von Satz zu Satz war Simon in seiner ‚Ansprache’ lauter geworden. Es wunderte Blair, dass er nicht sämtliche Schwestern damit anlockte.
"Ja, Sir."
"Gut, wenn wir jetzt damit durch sind, wann können Sie das Krankenhaus wieder verlassen, Jim?"
"Tja, ich habe die Wahl. Entweder gehe ich in drei Tagen im Rollstuhl, oder in drei Wochen auf Krücken. Ich denke, ich nehme den Rollstuhl."
"Ja, das gibt sicher ein wundervolles Bild ab. Tut mir leid, aber ich
muss jetzt gehen. Es wartet noch einiges an Arbeit auf mich. Wir sehen uns."
Mit diesen Worten schloss Captain Banks die Tür hinter sich. Bin ich zu hart
gewesen zu Blair? Nee, der Junge hätte mich anrufen sollen. Eine kleine
Abreibung tat ihm sicher ganz gut.
"Ich dachte schon, dass er auf mich losgehen würde." Nachdem Simon Jims Zimmer verlassen hatte, ließ sich Blair sichtlich erleichtert auf einem Stuhl neben dem Bett nieder.
"Ich habe Ihnen doch gesagt, er würde ziemlich wütend sein, Häuptling."
"Ja. Das haben Sie."
Jim sah die dunklen Ringe unter Blairs Augen, und entschied, dass sein Guide jetzt Schlaf brauchen würde. "Häuptling, ich befehle Ihnen, dass Sie sofort nach Hause gehen, und ein paar Stunden schlafen. Ich werde jetzt bald wieder auf den Beinen sein."
"Okay. Ich bin schon auf dem Weg. Bis heute Abend, Jim."
"Nein, nein, vor morgen früh möchte ich Sie hier nicht mehr sehen."
"Tja, da muss ich wohl gehorchen."
"Also dann, bis morgen", verabschiedete Jim seinen Freund, die Betonung auf das Wort morgen gelegt. Mit einem Lächeln lehnte er sich zurück, und sah Blair zur Tür herausgehen. Er bezweifelte, dass Blair wirklich schlafen würde. Wahrscheinlich würde Blair die halbe Nacht über Büchern verbringen, und morgen früh genauso müde wie vorher wieder hier auftauchen. Manchmal wunderte es ihn, woher Blair die ganze Kraft dafür nahm, aber tief im Inneren wusste er es. Er war irgendwie verbunden mit diesem langhaarigen Jungen, und keiner von beiden fühlte sich gut, wenn der andere verletzt oder in Gefahr war. Wirklich begreifen, würde er diese Verbundenheit wohl nie, aber das machte nichts. Sie war da, und das allein zählte.
~~~~~
Epilog
"Na toll! Ausgerechnet heute!" Wütend starrte Blair auf das Schild an dem Aufzug, auf dem stand: "Out of Order". Wie sollten Sie jetzt Jim hoch ins Loft kriegen? Jim konnte unmöglich laufen, und er und Simon würden ihn auf keinen Fall alleine dort hoch tragen können. "Haben Sie irgendeine Idee, wie wir Sie die Treppen hochbekommen?", wandte er sich an seinen schweigsamen Freund im Rollstuhl.
"Tja, ich könnte versuchen, hoch zu humpeln."
"Das kommt auf keinen Fall in Frage. Sie wissen, was der Arzt gesagt hat."
"Ja, ja. Also, was machen wir? Sie zwei können mich ja wohl kaum alleine tragen."
"Wir zwei nicht, aber ich habe da eine Idee", schaltete sich Captain Banks ein. Er holte sein Handy hervor und tätigte ein paar Anrufe.
Ein paar Minuten später kamen Joel, Brown und Rafe zur Tür hereinspaziert.
"Hallo, Captain", begrüßten sie ihren Vorgesetzten. "Wir haben gehört, Sie brauchen ein bisschen Hilfe."
"Ja, das wäre nicht schlecht. Helfen Sie uns, Jim aus dem Rollstuhl zu heben und hoch in seine Wohnung zu bringen."
"Klar, machen wir doch."
Zu fünft packten sie Jim an und trugen ihn die vielen Stufen nach oben. Wortlos ließ der Sentinel alles über sich ergehen. Er wusste, dass er niemals alleine da hochgekommen wäre. Irgendwie schaffte es Blair dann die Tür zur Wohnung aufzuschließen, und erleichtert ließen sie Jim vorsichtig auf dem Sofa nieder. Simon ging dann noch einmal herunter, um den Rollstuhl zu holen.
"Das nächste Mal aber etwas sanfter, Jungs", beschwerte er sich nach der ziemlich holprigen Tour die Treppen herauf.
"Wollen Sie sich jetzt auch noch beschweren? Dann können Sie das nächste Mal ja sehen, wie Sie alleine die Stufen hochkommen." Brown versuchte so beleidigt wie möglich zu klingen.
"Verschwinden Sie. Er braucht Ruhe." Blair schob die drei vor sich der Tür hinaus, nahm den Rollstuhl von Simon in Empfang, und schloss dann erleichtert die Türe hinter sich. Vor seinem inneren Auge konnte er Simons schockiertes Gesicht sehen, als die Tür vor seiner Nase geschlossen wurde, und musste unwillkürlich lächeln.
"Was amüsiert Sie so, Häuptling?"
"Simon. Können Sie vorstellen, was er im Moment wohl für ein Gesicht macht? Ungefähr so." Gekonnt äffte Blair den typischen Gesichtsausdruck des Captains nach. Bei dem Anblick musste Jim unfreiwillig lachen, bereute es aber gleich wieder.
"Bringen Sie mich zum Lachen, Blair. Helfen Sie mir lieber hoch in mein Zimmer."
"Kommt gar nicht in Frage. Sie nehmen meins oder schlafen auf der Couch. Aber auf keinen Fall gehen Sie irgendwelche Treppen hoch."
"Gut. Dann wähle ich die Couch. Ich kann nicht schlafen, wenn mich irgendwelche skurrilen Masken anschauen."
"Okay. Dann hole ich Ihr Bettzeug jetzt mal hierunter. Ich fürchte, in den nächsten drei Wochen bleibt Ihnen gar keine andere Wahl, als hier zu liegen, und sich von mir zu bemuttern zu lassen. Ich glaube kaum, dass Sie vor mir weglaufen werden. Ich denke, ich werde viel Spaß haben." Mit einem verschmitzten Grinsen rannte Blair die Treppen zu Jims Zimmer hoch, und duckte sich gerade noch rechtzeitig vor dem Kissen, welches von hinten geflogen kam...
- ENDE -
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